Boaz Weinstein
Dabei scheint Weinsteins Strategie lange Zeit unschlagbar. Noch bis ins dritte Quartal des vergangenen Jahres scheffelt seine Truppe Geld, obwohl die Finanzkrise zu der Zeit schon länger als ein Jahr wütet. Das Prinzip klingt kompliziert, ist im Kern aber einfach: Ein Investor kauft Anleihen eines Unternehmens und gleichzeitig die dazu passenden Credit Default Swaps (CDS) - Buffetts "Massenvernichtungswaffen". Mit diesen Kreditderivaten sichern sich Anleger für den Fall ab, dass der Emittent der Anleihe zahlungsunfähig wird. Einspringen müssen dann jene Banken, die die CDS ausgegeben haben. Die Prämie für die Kreditderivate schmälert zwar die Rendite, die die Anleihe dem Investor bringt, aber immerhin: Er verdient noch immer mehr als mit schnöden Staatsanleihen und ist zugleich abgesichert für den Fall, dass der Emittent des Bonds pleitegeht und ausfällt.
Kreditrisikoaufschlag entscheidend
Doch Weinstein und seinen Mitstreitern reicht das nicht. Sie sind klassische Arbitrageure, die daran verdienen, dass sich die Preise zwischen einzelnen Wertpapieren ständig verändern. In ihrem speziellen Fall sind das die Prämie für den CDS auf eine Anleihe, der Kurs der Anleihe selbst sowie deren Rendite. Die wiederum setzt sich zusammen aus - vereinfacht gesagt - drei Bestandteilen: dem Zins, den eine entsprechende Staatsanleihe abwirft, der sogenannten Swap-Differenz, die das Risiko des gesamten Finanzsystems abbildet, sowie dem Kreditrisikoaufschlag, der das individuelle Ausfallrisiko des Unternehmens widerspiegelt, das die Anleihe begeben hat.
Entscheidend für Weinsteins Strategie ist nur der letzte Bestandteil der Anleiherendite, der Kreditrisikoaufschlag. Ihn ständig mit der CDS-Prämie zu vergleichen ist die Hauptaufgabe seines Teams. In normalen Zeiten, also vor Ausbruch der Finanzkrise, kostet die CDS-Prämie etwas mehr, als der Risikoaufschlag dem Investor einbringt - die Experten sprechen von einer "positiven Basis". Zusammen mit einem Teil der Swap-Differenz verdienen Profis in diesem Szenario gleichwohl noch immer mehr, als hätten sie nur in Staatsanleihen investiert.