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Merken   Drucken   14.07.2009, 13:05 Schriftgröße: AAA

Jean-Bernard Lévy: Monsieur Übernahme

Der Vivendi-Chef hat in vier Jahren vier große Unternehmenskäufe gestemmt. Mit seinem kaufwütigen Vorgänger will er aber nicht verglichen werden. von Ben Hall und Andrew Parker
Er könnte schon bald den Titel von Frankreichs erfolgreichstem Unternehmensaufkäufer tragen. Schließlich schickt sich Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy an, seine fünfte Großübernahme in nur vier Jahren zu stemmen. Wie der französische Unterhaltungs- und Telekomkonzern jetzt bestätigte, verhandele das Unternehmen über den Kauf einer Mehrheitsbeteiligung am Afrikageschäft des kuwaitischen Mobilfunkbetreibers Zain. Eingeweihte Personen sprechen von einem Wert der Sparte von 10 Mrd. $ bis 11 Mrd. $.
In Sachen Verwegenheit will sich Lévy dennoch nur ungern mit seinem Vorgänger Jean-Marie Messier vergleichen lassen. Der wortkarge ehemalige Telekomingenieur ist sogar bemüht, jegliche Parallelen zu vermeiden - aus gutem Grund. Schließlich hatte Messier mit Großübernahmen Vivendi  an den Rand der Insolvenz gebracht. Trotz des Understatements - Lévy hat mehrfach gezeigt, wie Zukäufe gelingen. Dem Kauf des Satellitensenders TPS 2005 folgte im Jahr darauf die Bertelsmann Music Group. 2007 dann fusionierte die Vivendi-Computerspielsparte Blizzard mit dem US-Konkurrenten Activision, zudem wurde der Konzern über die Mobilfunktochter SFR Eigner des Festnetzanbieters Neuf Cegetel.
Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy   Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy
Analysten sehen den Kauf der Zain-Afrika-sparte als sinnvoll an. Vivendi erhalte dadurch eine stärkere Präsenz in schnell wachsenden Märkten, und das zu einem Zeitpunkt, an dem das Telekom- und das Pay-TV-Geschäft im Heimatmarkt immer mehr Konkurrenz bekommen und das Musikgeschäft schwächelt. Zains Afrikatöchter bedienen 15 Länder mit 450 Millionen Einwohnern, von denen erst 34 Prozent Mobilfunk nutzen. Das Geschäft birgt aber auch Risiken. So ist es eine komplexe Aufgabe, eine Sparte in so vielen unterschiedlichen Märkten zu führen.
Lévy kauft allerdings nicht auf Deubel komm raus; er verzichtet auch auf Übernahmen, wenn sie ihm zu teuer sind. Zur Finanzierung des Zain-Kaufs ist Vivendi angeblich an einem Überbrückungskredit interessiert, eine kleinere Kapitalaufnahme wäre aber möglicherweise trotzdem erforderlich. Eine Alternative wäre, dass Vivendi die 53-Prozent-Tochter Maroc Telecom als Vehikel für die Übernahme nutzt. Dies könnte aber juristische Probleme nach sich ziehen.
Auch wenn klar ist, warum Vivendi an einer Übernahme interessiert ist, so ist umgekehrt nicht nachvollziehbar, warum Zain verkaufen will. Erst vor vier Jahren hat Zain das damals unter dem Namen Celtel firmierende Mobilfunkgeschäft in Afrika für 3,4 Mrd. $ erworben. Die Wachstumaussichten sind glänzend.
Zain-Chef Saad Al Barrak erklärt seine Bereitschaft, den Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung in Betracht zu ziehen, mit Aktionärsinteressen: "Wenn große Akteure mit eindeutiger Wertschöpfung an uns herantreten, müssen wir das an unsere Aktionäre weitergeben. Diese Entscheidung fällen nicht wir im Management, sie liegt bei den Aktionären." Ihnen scheint das informelle Angebot von Jean-Bernard Lévy gefallen zu haben.
13:23:42 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Vivendi Universal 13,095 EUR   +0,19%  0.025
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