Klaus Zumwinkel ist laut Staatsanwaltschaft nur einer von mehreren Hundert Verdächtigen. Ermittler sprechen von einem "Steuerskandal von historischem Ausmaß". Die FTD-Serie hält Sie auf dem Laufenden.
Er wollte immer mehr von allem. Obwohl Klaus Zumwinkel schon mit üppigem finanziellen Polster seine Karriere startete, war das Kapital seine Messlatte. Zum Ende seiner Amtszeit, nach 19 Jahren an der Spitze der Deutschen Post, wird ihm das nun durch den Vorwurf der Steuerhinterziehung zum Verhängnis.
"Up or out" - diese Direktive hat Klaus Zumwinkel geformt. "Rauf oder raus", das hat er in seinen elf Jahren bei der Unternehmensberatung McKinsey zu hören bekommen. Wer zu den Besten der Besten zählen will, muss weiter nach oben oder bleibt auf der Strecke. Der Leitsatz hat ihn bis in die Nächte verfolgt. Danach hat er gelebt und gewirkt. Und es ging immer weiter bergauf. Bis der 64-Jährige nun jäh gestoppt wurde.
Bitterer Rückschlag: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Post-Chef Klaus Zumwinkel.
Es gibt einen Verdacht, einen schwerwiegenden. Noch ist es nur ein Verdacht. Aber für den Post-Chef wird es zum Alptraum. Polizisten stehen früh morgens vor der Haustür in Köln, durchwühlen gleichzeitig das Büro in Bonn. Verdacht auf Steuerhinterziehung. Die Meldung ist minutenschnell in den Nachrichten. Journalisten, Fotografen, Filmteams - eine ganze Meute umlagert sein Haus. Im Blitzlichtgewitter verlässt er die Villa in Begleitung von Polizisten.
"Up or out". Wer sich darauf einlässt, mithalten kann, wird von einer unsichtbaren Schnur durch das Leben gezogen. Bis man sie loslässt. Oder bis sie zerschnitten wird.
Dabei hat Zumwinkel die Fäden immer so gut in der Hand gehabt. Er startet mit besten Voraussetzungen. Sein Vater, ein wohlhabender Kaufmann, hinterlässt den beiden Söhnen nach dem frühzeitigen Tod eine Handelskette. Eine Zeit lang führen Zumwinkel und sein älterer Bruder das Erbe des Vaters weiter, am Ende verkaufen sie die zehn Kaufhäuser und die 59 Discounter an die Rewe-Gruppe - und haben ausgesorgt.
Mit dem Kapital im Rücken widmet er sich seiner Weiterbildung. Sammelt Wissen, sammelt Titel. Ein Master an der Wharton Universität in den Vereinigten Staaten, eine Promotion an der Uni Münster. Er strebt nach Macht, doch Geld bleibt für den Betriebswirt eine der wichtigsten Messlatten. Um ein Haar wäre Zumwinkels Inthronisierung bei der Post daran gescheitert. Als ihm Postminister Christian Schwarz-Schilling 1989 das Amt des Post-Chefs anträgt, ist er interessiert. Nur das Gehalt - "das war ja nicht mehr, als ein Staatssekretär hatte" - macht dem Millionenerben zu schaffen. "Gehalt ist nicht nur etwas, das man anhäuft", so hat es Zumwinkel einmal formuliert, "das ist auch eine Wertschätzung".
Bilderserie
Bilderserie: Auf Kriegsfuß mit der Steuer
Dass er dabei jegliche Sensibilität verloren hat, stellte der Mann mit den streng zurückgekämmten grauen Haaren erst kürzlich eindrucksvoll unter Beweis. Die Diskussion um die Höhe von Managergehältern war kurz vor Weihnachten aufgeflammt, eine Welle der Entrüstung über die Gier von Unternehmenslenkern über das Land geschwabbt, Gerechtigkeitsdebatten dominierten die Schlagzeilen. Und Zumwinkel verkaufte just zu dem Zeitpunkt eigene Aktien der Post für 4,73 Mio. Euro. Das Geschäft war lohnend, der Kurs zuvor gestiegen. Im Nachhinein entschuldigte sich Zumwinkel vor seinen Mitarbeitern. "Ich verstehe die öffentliche Kritik und weiß jetzt, dass der Zeitpunkt inmitten einer intensiven politischen Diskussion falsch war. Diese Tragweite meiner Entscheidung habe ich nicht bedacht - und das bedauere ich heute sehr."
Worauf spekulieren Sie? "Das liegt mir nicht"
Mit den Vorwürfen der Steuerhinterziehung könnten nun möglicherweise Fehlentscheidungen von deutlich größerer Tragweite zu Tage treten. Dabei sieht Zumwinkel, der zu den einflussreichsten Managern Deutschlands zählt, sich als rationalen, als bedachten Menschen. In einem FTD-Fragebogen antwortet er vor einigen Jahren: "Wer spekuliert, entscheidet ohne gesicherte Faktenbasis - das liegt mir nicht."
Der Ruf des kompromisslosen McKinsey-Sanierers eilte ihm voraus, als er Anfang der 1990er Jahre an die Spitze der früheren Bundespost berufen wurde. Und er beweist einen harten Kurs, nimmt den verlustreichen Staatsbetrieb gnadenlos in die Mangel: Er schneidet das Unternehmen nach allen Mitteln ökonomischer Kunst zurecht. Er baut Hunderttausende Stellen ab, bringt das Unternehmen an die Börse, schmiedet einen globalen Logistikkonzern, gibt Milliarden für Zukäufe aus. Nicht alles geht auf: Der teure DHL-Zukauf in den USA entpuppt sich als größtes Debakel.
Solche Probleme hätte Zumwinkel bald los sein können. Nach 18 Jahren auf dem Chefsessel der Post läuft sein Vertrag offiziell im November aus. Ein Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats schien wahrscheinlich. Doch die Frage "up or out" stellt sich einmal mehr.
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