Achim Kassow ist immer gut für Ideen mit Showeffekt: Erst testet der Commerzbank-Privatkundenvorstand den verkaufsoffenen Samstag, dann bietet er eine Verkaufsgarantie für Kredite an. Jetzt sollen Klienten ihn beraten. von Christine Mai
Es gibt nicht viele Bankmanager, die man dieser Tage sorglos mit ihren verunsicherten und verärgerten Privatkunden allein lassen würde. Achim Kassow jedoch ist einer von ihnen. Der Privatkundenvorstand der Commerzbank versteht es, für eine entspannte Atmosphäre zu sorgen. Unprätentiös, offen und jugendlich kommt der 42-Jährige daher, stets hat er einen flotten Spruch oder einen Scherz parat. Berührungsängste, das vermittelt er bei seinen etwas zu perfekten Auftritten, kennt er nicht.
Da wundert es auch nicht, dass ausgerechnet Kassow nun ankündigt, Deutschlands zweitgrößte Bank werde erstmals hierzulande einen Kundenbeirat gründen. Angehören sollen ihm jeweils 20 Kunden der Commerzbank und der Dresdner Bank, deren Übernahme bis Sommer 2009 geplant ist. Zweimal im Jahr sollen die Kunden Gelegenheit haben, Kassow zu Geschäftspolitik und Produkten die Meinung zu sagen. "Ich will wissen, was der Kunde will", sagte Kassow der "Welt am Sonntag". Nein, dies sei kein Marketing-Gag, beeilt er sich zu versichern, spricht stattdessen lieber von einem "Teil unseres Lernprozesses".
Der hochgewachsene, schlanke Manager startet gern Kundenaktionen, Showeffekt inklusive. Im März 2007 öffnet die Commerzbank einige Filialen erstmals testweise samstags. Ein Vorstoß, der viel Beachtung findet, bislang aber auch aufgrund des schwelenden Tarifstreits bei den privaten Banken keine flächendeckende Revolution auslöst. Denn bis auf die Postbank haben Institute hierzulande am Samstag weiterhin geschlossen.
Achim Kassow: "Ich will wissen, was der Kunde will"
Anfang 2008 prescht Kassow wieder vor, reagiert auf die emotionale Debatte um Kreditverkäufe. Als erstes deutsches Institut bietet die Commerzbank Kunden - gegen Aufschlag - eine Garantie, dass ihre Kredite nicht weiterveräußert werden.
Die Zahlen scheinen Kassow recht zu geben: Auf rund sechs Millionen hat die Commerzbank die Zahl ihrer Privatkunden mittlerweile gesteigert. Auch in Sachen Profitabilität hat das noch vor einigen Jahren ertrags- und renditeschwache Segment zulegen können.
Für den eloquenten Vater zweier Kinder ist das ein weiterer Erfolg in einer rasanten Karriere. Schon bei der Deutschen Bank, wo 1985 mit einer Banklehre alles angefangen hat, macht er sich bei den Vorbereitungen zur Ausgründung der Privatkundenbank Deutsche Bank 24 so gut, dass er 1999 in deren Geschäftsleitung berufen und ab 2001 dort zum Vorstandsmitglied wird. Ein Jahr später wird er Chef von Comdirect und saniert die Direktbanktochter der Commerzbank. Die Belohnung: Er wird Ende 2004 Privatkundenvorstand bei der Muttergesellschaft - da ist er gerade einmal 38 Jahre alt. Im Jahr 2007 ist Kassow dann sogar als Nachfolger für den damaligen Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller im Gespräch. Zumindest vorerst bleibt Kassow eine profanere, aber anspruchsvolle Rolle: als Sparringspartner für genervte Privatkunden.
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