Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig
Bisher hielt sich Börsigs öffentliches Mitteilungsbedürfnis in Grenzen. Obwohl er seit Monaten dem medialen Trommelfeuer ausgeliefert ist, tut er selbst nichts, um sich zu rechtfertigen. Er schickt keine Kommunikationsberater los, die an seinem Image feilen könnten. Er kämpft nicht öffentlich um seine Ehre oder legt seine Sicht der Dinge dar. Seine Kritiker straft er mit Nichtbeachtung.
Nun aber kommt die Spitzelaffäre der Deutschen Bank hinzu, in der Börsig in einem Fall eine zentrale Rolle gespielt haben soll. Seine Verwicklung in den Skandal wird er dem Aufsichtsrat am Dienstag erklären müssen. Von dem Institut selbst kann er keine Rückendeckung erwarten: Sein Verhältnis zu Ackermann gilt als gestört.
Seine Kritiker bezeichnen Börsig als eitel, dröge und wenig charismatisch. Zudem gilt er als Pedant: Als sich Banker wie jedes Jahr am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos zum Skifahren trafen und fröhlich gemeinsam irgendein Liedchen anstimmen wollten, teilte Börsig eines Tages eine Liedersammlung aus - fein säuberlich versehen mit einem Deutsche-Bank-Logo. Die spontane Fröhlichkeit war zwar getrübt - "nicht mitzusingen hätte aber auch niemand gewagt", so ein Banker.