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Merken   Drucken   26.07.2009, 18:05 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Angezählter Oberkontrolleur Börsig

Clemens Börsig beweist Nehmerqualitäten. Trotz großer Kritik an seiner Amtsführung hält der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank an dem Posten fest. Auf der Aufsichtsratssitzung kommt es wohl zum Showdown. von Nina Luttmer
Als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank  blieb Clemens Börsig  in den vergangenen Jahren stets im Hintergrund. "Manche hielten ihn für Ackermanns Pudel. Dabei schaffte er es einfach geschickt, immer aus dem Rampenlicht und dadurch auch oft aus der Schusslinie heraus zu bleiben", sagt jemand, der ihn kennt.
Damit ist es seit Ende April vorbei. Seitdem öffentlich wurde, dass Börsig Bankchef Josef Ackermann  im Amt beerben wollte und mit seinem Ansinnen im Aufsichtsrat durchfiel, ist der Chefkontrolleur angeschlagen.
Dennoch hat er bis jetzt an seinem einflussreichen und prestigeträchtigen Posten festgehalten, doch schon auf einer Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bank am Dienstag könnte seine Karriere einen tiefen Knick erleiden. Eine freiwillige Demission kommt für ihn, der heute 61 Jahre alt wird, gleichwohl nicht infrage. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ließ er ausrichten: "Ich sehe keinen Grund für einen Rücktritt."
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig   Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank, Clemens Börsig
Bisher hielt sich Börsigs öffentliches Mitteilungsbedürfnis in Grenzen. Obwohl er seit Monaten dem medialen Trommelfeuer ausgeliefert ist, tut er selbst nichts, um sich zu rechtfertigen. Er schickt keine Kommunikationsberater los, die an seinem Image feilen könnten. Er kämpft nicht öffentlich um seine Ehre oder legt seine Sicht der Dinge dar. Seine Kritiker straft er mit Nichtbeachtung.
Nun aber kommt die Spitzelaffäre der Deutschen Bank hinzu, in der Börsig in einem Fall eine zentrale Rolle gespielt haben soll. Seine Verwicklung in den Skandal wird er dem Aufsichtsrat am Dienstag erklären müssen. Von dem Institut selbst kann er keine Rückendeckung erwarten: Sein Verhältnis zu Ackermann gilt als gestört.
Seine Kritiker bezeichnen Börsig als eitel, dröge und wenig charismatisch. Zudem gilt er als Pedant: Als sich Banker wie jedes Jahr am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos zum Skifahren trafen und fröhlich gemeinsam irgendein Liedchen anstimmen wollten, teilte Börsig eines Tages eine Liedersammlung aus - fein säuberlich versehen mit einem Deutsche-Bank-Logo. Die spontane Fröhlichkeit war zwar getrübt - "nicht mitzusingen hätte aber auch niemand gewagt", so ein Banker.
Börsig hat Autorität. Zudem billigen ihm sogar seine größten Kritiker zu, dass der promovierte Betriebswirt und Mathematiker sich bestens im Rechnungwesen und Controlling auskennt. Seine Karriere startetet der gebürtige Badener 1977 beim Düsseldorfer Mischkonzern Mannesmann. Über Stationen beim Autozulieferer Bosch und beim Energiekonzern RWE kam er 1999 als Finanzvorstand zur Deutschen Bank. Seinen Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat ließ er sich 2006 mit 17,6 Mio. Euro versüßen.
Trotz des Vermögens musste Börsig jüngst feststellen, dass er sich damit nicht jeden Wunsch erfüllen kann. Der Kunstliebhaber wollte sich in einer Frankfurter Galerie ein Bild von Joe Stefanelli kaufen, doch in letzter Sekunde war jemand anderes schneller.
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  • Aus der FTD vom 27.07.2009
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