Irlands designierter Premierminister Brian Cowen
Trotz der Zeit im Kabinett bleibt Cowen ein Mann mit Bodenhaftung. Er ist hemdsärmelig, brummig und manchmal etwas grob. Als er sich Ende der 90er-Jahre über einen langen Streik der Krankenschwestern im Land ärgert, vergleicht er das irische Gesundheitssystem mit Angola - es sei voller Landminen.
Wenn Cowen nicht mit seiner Frau Mary Molloy und den zwei Töchtern unterwegs ist, wird er häufig in den Pubs der Hauptstadt gesehen. Cowen liebt Guinness und trinkt gern davon. In Clara, dem Heimatdorf der Familie im irischen County Offaly, betreibt sein Bruder ein eigenes Lokal. Auch dort ist Cowen von Zeit zu Zeit Gast.
Wäre er kein so bekannter Politiker, er würde dort nicht auffallen. Der Bauch, das Doppelkinn und die knollige Nase zeigen einen Freund zünftigen Genusses. Witze über sein Aussehen nimmt er gelassen. Als der nordirische Protestantenführer Ian Paisley einst über seine wulstigen Lippen spottete, erwiderte Cowen nur, die Politik sei ja auch kein Schönheitswettbewerb.
Das finden die Iren offenbar auch. Als Vizepremier führte Cowen den Wahlkampf 2007 - mit Erfolg. Ahern wurde zum dritten Mal in Folge wiedergewählt. Das lag auch am wirtschaftlichen Aufschwung in Irland, der nun zum ersten Mal seit zehn Jahren stockt. Als Finanzminister erhöhte Cowen die Staatsausgaben und senkte die Steuern. Wähler mögen das. Sollte im Dezember nun wirklich ein Sparbudget notwendig werden, könnten die Iren jedoch verschnupft reagieren. Ein Gutes hat der Start ins neue Amt zum jetzigen Zeitpunkt aber: Die nächsten Wahlen stehen erst 2012 an.