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Merken   Drucken   03.04.2008, 21:17 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Brian Cowen - Ein echter Ire

Irlands designierter Premier Brian Cowen muss angesichts der schwächelnden Wirtschaft anpacken. Weniger Wachstum, mehr Arbeitslose und zu alledem ein immer größeres Loch in der Staatskasse stellen ihn vor eine große Herausforderung. von Heimo Fischer
Es ist wahrlich kein guter Moment, um neuer Regierungschef der Republik Irland zu werden. Doch Brian Cowen hat sich den Zeitpunkt nicht ausgesucht. Sein Vorgänger Bertie Ahern kündigte am Mittwoch wegen Bestechungsvorwürfen seinen Rücktritt an - und nun muss sein Wunschnachfolger eben das Ruder übernehmen. Beobachter glauben, der Machtwechsel könnte schon in den nächsten zwei Wochen über die Bühne gehen.
Was dem 48-Jährigen nun hilft, ist seine politische Erfahrung. Cowen gehört bereits seit 16 Jahren der Regierung an, seit 2004 als Finanzminister. Davor war er schon für die Ressorts Außenpolitik, Gesundheit, Energie und Verkehr verantwortlich - eine geradlinige Laufbahn. Kein Wunder mit solch einem politischen Stallgeruch.
Denn bereits Cowens Vater war Abgeordneter der konservativen Partei Fianna Fáil, die die irische Politik seit 1930 beherrscht. Als der Senior 1984 stirbt, stimmt sein Wahlkreis über einen Nachfolger ab. Und wie es der irische Brauch will, folgt der Sohn auf den Vater. So beendet Brian Cowen mit 24 Jahren seine Karriere als Jurist und wird Berufspolitiker im Dubliner Parlament. 1992 wird er zum ersten Mal Minister.
Irlands designierter Premierminister Brian Cowen   Irlands designierter Premierminister Brian Cowen
Trotz der Zeit im Kabinett bleibt Cowen ein Mann mit Bodenhaftung. Er ist hemdsärmelig, brummig und manchmal etwas grob. Als er sich Ende der 90er-Jahre über einen langen Streik der Krankenschwestern im Land ärgert, vergleicht er das irische Gesundheitssystem mit Angola - es sei voller Landminen.
Wenn Cowen nicht mit seiner Frau Mary Molloy und den zwei Töchtern unterwegs ist, wird er häufig in den Pubs der Hauptstadt gesehen. Cowen liebt Guinness und trinkt gern davon. In Clara, dem Heimatdorf der Familie im irischen County Offaly, betreibt sein Bruder ein eigenes Lokal. Auch dort ist Cowen von Zeit zu Zeit Gast.
Wäre er kein so bekannter Politiker, er würde dort nicht auffallen. Der Bauch, das Doppelkinn und die knollige Nase zeigen einen Freund zünftigen Genusses. Witze über sein Aussehen nimmt er gelassen. Als der nordirische Protestantenführer Ian Paisley einst über seine wulstigen Lippen spottete, erwiderte Cowen nur, die Politik sei ja auch kein Schönheitswettbewerb.
Das finden die Iren offenbar auch. Als Vizepremier führte Cowen den Wahlkampf 2007 - mit Erfolg. Ahern wurde zum dritten Mal in Folge wiedergewählt. Das lag auch am wirtschaftlichen Aufschwung in Irland, der nun zum ersten Mal seit zehn Jahren stockt. Als Finanzminister erhöhte Cowen die Staatsausgaben und senkte die Steuern. Wähler mögen das. Sollte im Dezember nun wirklich ein Sparbudget notwendig werden, könnten die Iren jedoch verschnupft reagieren. Ein Gutes hat der Start ins neue Amt zum jetzigen Zeitpunkt aber: Die nächsten Wahlen stehen erst 2012 an.
  • Aus der FTD vom 04.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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