Wollte früher Arzt werden: AWD-Chef Carsten Maschmeyer
Eigentlich wollte Maschmeyer Arzt werden. Damals, während des Studiums, verdient sich der durchtrainierte Mittel- und Langstreckenläufer Geld bei Wettkämpfen - als "Hase", wie die bezahlten Schrittmacher für andere Athleten genannt werden. Bei einem so finanzierten Urlaub in Tunesien lernt er einen Vertreter des Kölner Finanzvertriebs OVB kennen. Maschmeyer beendet sein Medizinstudium und lernt das Verkaufen von Versicherungspolicen. Für OVB baut er ein dichtes Vertriebsnetz auf. Doch die Karriere bei dem Finanzvertrieb endet im Streit und mit einer millionenschweren Abfindung für den 27-Jährigen.
Maschmeyer bleibt der Branche treu, im Jahr 1988 gründet er AWD. Das Unternehmen verkauft Lebens- und Krankenversicherungen, Fondsanteile und Sparverträge im Auftrag von Banken und Versicherungen. Maschmeyer hat das Geschäftsmodell nicht erfunden, aber erheblich weiterentwickelt. Das Geschäft läuft hervorragend, aber der Chef kämpft mit einem schlechten Image. Für Kritik sorgt nicht nur das System der Provisionspyramide, bei der jede Ebene von den Vertriebserfolgen der unteren Ebenen profitiert. Verbraucherschützer werfen dem Unternehmen vor, den Kunden nicht bedarfsgerechte, sondern provisionsträchtige Verträge zu verkaufen.
Mit dem Börsengang von AWD im Jahr 2000 verpassen sich Maschmeyer und seine Firma ein neues Erscheinungsbild. Längst tritt Maschmeyer durchgestylt bis in die Haarspitzen auf. AWD-Vertreter nennen sich heute "Berater", das Unternehmen "unabhängiger Finanzoptimierer".
Nach einer MLP-Übernahme müssten die zwei unterschiedlichen Kulturen zusammengebracht werden. Vielleicht ist das der geeignete Zeitpunkt, die Position erneut zu wechseln - oder in den Ruhestand zu gehen.