Kopf des Tages:Carstensen - Bodenständiger Bankenretter
Mit der Rettungsaktion für die HSH Nordbank sind auch für Peter Harry Carstensen die ruhigen Tage an der Kieler Förde vorbei. Schleswig-Holsteins Regierungschef muss sein Land vor dem Bankrott bewahren. von Arne Delfs
Der Posten des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten gilt als vergleichsweise gemütlicher Job. Peter Harry Carstensen verkörpert dies wie kein anderer. Der stämmige Nordfriese, der 2005 der SPD-Politikerin Heide Simonis als Regierungschef folgte, sitzt nur ungern an seinem Schreibtisch in der Staatskanzlei an der Kieler Förde. Viel lieber tourt der Christdemokrat in der Manier des gütigen Landesvaters durch sein kleines Reich zwischen Nord- und Ostsee, um - wie es im schönen Politikerdeutsch heißt - "nahe bei den Menschen zu sein".
Das Verblüffende an Carstensen ist nur, dass man ihm diese Rolle sogar abnimmt. Der 61-Jährige interessiert sich offenbar wirklich für die Belange seiner Bürger und verbreitet mit seiner jovialen Art gute Laune, wo immer er auch auftaucht.
Schleswig-Holsteins Regierungschef Peter Harry Carstensen (CDU)
Doch nun könnte es mit der norddeutschen Gemütlichkeit vorbei sein. Gemeinsam mit Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole Von Beust verkündete Carstensen am Dienstag in Kiel die dramatische Rettungsaktion für die angeschlagene HSH Nordbank, die ohne das 13 Mrd. Euro schwere Rettungspaket endgültig zusammengebrochen wäre. Für das ohnehin schon hoch verschuldete Schleswig-Holstein bedeutet dies eine schwere Hypothek, der stellvertretende CDU-Landeschef Rasmus Vöge warnt bereits vor einem Bankrott des nördlichsten Bundeslandes.
Carstensen, der gelernte Landwirt, muss nun nicht nur eine Landesbank, sondern möglicherweise ein ganzes Bundesland vor der Pleite bewahren. Dabei könnte ihm eine Eigenschaft zugutekommen, die er mit der Kanzlerin teilt: Er wird vom politischen Gegner gerne unterschätzt.
Im Landtagswahlkampf 2004 galt Carstensen zunächst als Verlegenheitslösung und wurde auch in den eigenen Reihen belächelt. Zu Wahlkampfveranstaltungen fuhr er im eigenen Wagen und nahm auch schon mal einen Journalisten mit. Als der Witwer dann noch über die "Bild"-Zeitung nach einer neuen Ehefrau fahnden ließ, schien die Wahl bereits gelaufen. Aber die Parteizentrale in Berlin stellte dem unberechenbaren Friesen einige Aufpasser zur Seite, und das Blatt wendete sich. Aus dem entscheidenden TV-Duell mit Simonis ging Carstensen als Sieger hervor, nachdem er zuvor beim ehemaligen ZDF-Moderator Alexander Niemetz ein Intensivtraining absolviert hatte.
Legendär ist das Bild des feixenden Carstensen im Kieler Landtag, als Simonis auch im vierten Wahlgang eine Stimme fehlte und damit ihr Versuch spektakulär scheiterte, eine rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden. Seitdem führt der CDU-Politiker in Kiel eine Große Koalition an. Carstensen habe "schnell dazugelernt" und "entschlossen die Zügel in die Hand genommen", sagt ein enger Wegbegleiter.
Im Ringen um die HSH Nordbank wird Carstensen diese Qualitäten unter Beweis stellen müssen. Sicher ist: Er wird jetzt künftig öfter an seinem Schreibtisch sitzen.
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