Kopf des Tages:Christopher Cox - Wächter der Wall Street
Er sei ein Anwalt des Big Business, Kleinaktionäre könnten sich von ihm nichts erhoffen - so lauteten die Urteile über Christopher Cox, als er 2005 Chef der US-Börsenaufsicht SEC wurde. Spätestens in dieser Woche hat er solche Ansichten widerlegt. von Michael Gassmann
Die meisten Wall-Street-Menschen nehmen dem 55-Jährigen inzwischen ab, dass er für die Interessen der Investoren kämpft. Mit einer Serie von Vorladungen an Vertreter von Banken und Hedge-Fonds will Cox klären lassen, ob die Aktienkurse von Bear Stearns durch das Streuen von Gerüchten absichtlich manipuliert wurden - und die Investmentbank damit in die Pleite getrieben wurde.
Cox war nicht immer über Zweifel erhaben. Als US-Präsident George W. Bush ihn im August 2005 für den neuen Job benannte, schlug ihm innerhalb und außerhalb der Behörde Skepsis entgegen. Seine Bestellung sei ein Sieg für das Big Business. Kleinaktionäre hätten es künftig schwer, hieß es. Der Republikaner Cox, konservativ bis auf die Knochen, galt als Regulierungsfeind und Anhänger einer Laisser-faire-Philosophie. Er nahm es ironisch. "Diese Voraussagen haben eine ähnlich faktische Basis wie Prospekte von Worldcom", sagte er einmal. Der Kommunikationskonzern hatte mit Luftbilanzen den größten betrügerischen Bankrott in der US-Geschichte hingelegt.
Dabei gab Cox' Vorgeschichte durchaus Anlass zu Zweifeln. Bis 1988 arbeitete der Mann aus St. Paul in Minnesota zwei Jahre lang als Berater von Präsident Ronald Reagan, um anschließend selbst in die Politik einzusteigen. Für einen kalifornischen Wahlkreis saß Cox 17 Jahre lang im Kongress, bis er am 3. August 1995 den Eid als SEC-Chef ablegte. Aus seiner Feder stammte unter anderem ein Gesetz, das Prozesse von Wertpapieranlegern erschwert. Inzwischen hat er sich den Ruf erworben, bestehende Gesetze straff durchzusetzen, zusätzliche Regulierungen lehnt er aber ab. "Die Bilanzskandale, die unsere Nation und die Welt überstanden haben, sind zum Teil auch durch die schiere Komplexität der Regeln möglich geworden", sagte er in einer seiner ersten Reden als oberster Anlegerschützer der Nation.
Der Chef der US-Bankenaufsicht SEC, Christopher Cox, knöpft sich Investmentbanker vor
In seinem Privatleben hat Cox, der immer noch jugendlich wirkt, viele Schicksalsschläge erlitten. Wenn er öffentlich auftritt, sieht man ihn meist am Stehpult. Lange sitzen kann er seit einem Autounfall als 25-Jähriger nicht mehr. Eine Lähmung unterhalb der Hüfte konnten die Ärzte heilen, doch bis heute trägt Cox zwei Schrauben im Rücken. Kurz nach seiner Ernennung zum Chairman der SEC zwang ihn eine Krebserkrankung zu einer Pause im Amt.
Anzumerken ist ihm wenig von den Belastungen. Cox war schon immer zäh und ehrgeizig. Als 21-Jähriger graduierte er an der University of Southern California mit Bestnote, sattelte später zwei Harvard-Abschlüsse drauf und arbeitete zeitweise als Partner einer Anwaltskanzlei. Für die Bush-Regierung diente er als eine Art Allzweckwaffe. Als Richter für den Supreme Court wurde er ebenso gehandelt wie für einen Spitzenjob beim Geheimdienst. Doch erst jetzt - bei der SEC - kann er sich richtig durchsetzen.
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