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Merken   Drucken   03.02.2009, 20:08 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Comeback des Pleitiers Meriwether

Schon einmal verspekulierte sich John Meriwether mit einem Hedge-Fonds. Der einst gefeierte Guru der Branche musste damals mehrere Banken zu Hilfe rufen. Jetzt, mitten in der Finanzkrise, will er es noch einmal wissen. von Elisabeth Atzler
In den USA, so wird oft gesagt, macht das Scheitern erst den großen Erfolg möglich. Wer scheitert, startet einfach wieder durch. John Meriwether  hat vorgemacht, wie das geht: Nachdem der heute 61-Jährige sich Ende der 90er-Jahre mit dem Hedge-Fonds Long-Term Capital Management (LTCM) dramatisch verspekulierte und das Finanzsystem dadurch an den Rand des Zusammenbruchs brachte, gründete er kurz darauf einfach wieder einen Hedge-Fonds. Der Name: JMW Partners. Das ging fast zehn Jahre gut. Jetzt aber denkt Meriwether über den dritten Hedge-Fonds nach, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf einen hochrangigen JMW-Manager.
Der Grund für den Plan ist laut dem US-Blatt die miese Rendite des größten JMW-Fonds. Fast 42 Prozent hat er 2008 verloren - so viel wie die globalen Aktienmärkte und doppelt so viel wie der Hedge-Fonds-Durchschnitt.
Meriwether wird sein Ansinnen nur schwer umsetzen können: Anleger haben zuletzt Milliarden abgezogen, die USA wollen neben anderen Ländern die Regulierung verschärfen, und Banken sind mittlerweile zurückhaltend mit der Kreditvergabe. Gerade Meriwether braucht für seine Fonds aber Kredite, um den Einsatz nach oben zu schrauben. JMW Partners - wie schon LTCM - wettet auf kleinste Kurs- und Zinsänderungen. Nur mit hohen Summen lässt sich da ein erklecklicher Gewinn erzielen.
Mit dieser Strategie, vor allem der Spekulation auf schrumpfende Zinsunterschiede von Staatsanleihen, verdiente LTCM ab 1994 zunächst Millionen. Meriwether, vormals hochgelobter Chef des Bondhandels bei Salomon Brothers, scharte talentierte Anleihehändler und Wissenschaftler wie die Nobelpreisträger Myron Scholes und Robert Merton um sich. Die Fondsgründer zählten zu den Ersten, die erkannten, dass man als Pionier mit modell- und computerbasiertem Handel den Rest der Anleger schlagen kann. Rund 5 Mrd. $ verwaltete LTCM zeitweise - mehr als jeder Hedge-Fonds zuvor. Großbanken gierten danach, die Geschäfte des Hedge-Fonds abzuwickeln und zu investieren - ohne zu wissen, wie LTCM genau anlegte.
Der irischstämmige Meriwether, der sich aus ärmlichen Verhältnissen hochgearbeitet hat, führte LTCM fast wie einen Geheimbund an. Der öffentlichkeitsscheue Manager, von dem kaum Fotos existieren, hielt auch Abstand zur Wall Street. LTCM bezog statt in New York City im Nobelvorort Greenwich ein luxuriöses Büro.
Zum Verhängnis wurden LTCM die Finanzkrisen in Asien 1997 und Russland 1998. Innerhalb weniger Monate stürzte der Fonds ab. Erst Milliardenhilfen mehrerer Banken bewahrten LTCM und das Finanzsystem vor dem Kollaps. Bis kurz vor dem Zusammenbruch konnte Meriwether nicht glauben, dass seine Wetten gescheitert waren. Er machte mit seinen Kollegen einfach weiter und schaffte es sogar, in wenigen Wochen wieder einige Millionen für JMW Partners einzusammeln.
Woher aber jetzt frisches Geld kommen kann, ist äußerst fraglich. Meriwether dürfte es trotzdem erneut versuchen. Es hat ja schon zweimal geklappt.
  • Aus der FTD vom 04.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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