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Merken   Drucken   19.08.2009, 21:27 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Daud Ali Nadschafi - Strippenzieher in Kabul

Er kennt sich aus mit komplexen Institutionen, schließlich war er einmal bei der Uno. Ideale Voraussetzung, um die Präsidentenkür in Afghanistan zu organisieren. Doch Nadschafi ist mit schuld an dem Wahlchaos. von Britta Petersen
Daud Ali Nadschafi kennt sich aus mit komplexen Institutionen, schließlich war er einmal bei der Uno. Ideale Voraussetzung, um die Präsidentenkür in Afghanistan zu organisieren. Doch Nadschafi ist mit schuld an dem WahlchaosDaud Ali Nadschafi ist um seinen Job nicht zu beneiden. Als Chef der Unabhängigen Wahlkommission Afghanistans (IEC) ist er formal verantwortlich für den chaotischen Prozess, der heute am Hindukusch abläuft und an dessen Ende ein neuer Präsident stehen wird - oder sehr wahrscheinlich: wieder der alte. Er ist dafür verantwortlich, dass die Afghanen ihre Stimme in Sicherheit abgeben können, dass diese Wahl gerecht, geheim und gleich abläuft.
Doch die IEC und der Arzt an der Spitze hatten keinen guten Start. Die von Präsident Hamid Karsai ohne Einbeziehung des Parlaments eingesetzte Kommission ist nach Ansicht von Kritikern parteiisch. Sie habe den Wählerregistrierungsprozess so schlecht durchgeführt, dass mehrere Millionen Wahlkarten zu viel im Umlauf sind.
An der Kritik trägt Nadschafi selbst eine Mitschuld: Zu Beginn des Registrierungsprozesses mokierte er sich über die mangelhafte politische Qualität einiger Kandidaten - und fügte der Glaubwürdigkeit seiner Behörde immensen Schaden zu. Vielleicht ist der 41-Jährige mit dem Polizistenschnauzbart wegen dieses Fehltritts inzwischen so selten in der Öffentlichkeit zu sehen. Das Reden überlässt er seinem Stellvertreter und Sprecher, dem eloquenten und leutseligen Sekria Baraksai.
Daud Ali Nadschafi   Daud Ali Nadschafi
Nadschafi, der neben seinem Doktor der Medizin einen Magister in Islamwissenschaften in Pakistan erworben hat, stammt aus der südlichen Provinz Ghasni, ist aber kein Paschtune, sondern gehört dem schiitischen Volk der Hasara an. Er ist freundlich, aber uncharismatisch. Am liebsten beschränkt er sich auf Managementaufgaben und zieht die Fäden im Hintergrund. Im Geflecht komplexer Institutionen kennt er sich aus. Schließlich arbeitete der Mann, der neben den Landessprachen Dari und Paschtu auch Englisch und Urdu spricht, mehrere Jahre als "Political Affairs Officer" für die Vereinten Nationen.
Bei der Vorbereitung der Wahl hat er jedoch mehrfach gegen Uno-Regeln verstoßen, sagen seine Kritiker. Kürzlich reiste er etwa durch die Provinzen und nahm sich die einzelnen Kommissionsmitglieder in Privatgesprächen zur Brust. Der Inhalt der Treffen drang nie nach außen, was Anlass zu Spekulationen gab, er könnte die Weisungen seines Chefs, des Präsidenten, weitertragen. Beweise gibt es keine.
Ein Poster, das für das Wahlrecht von Frauen warb, zog Nadschafi jedenfalls auf Druck der internationalen Gemeinschaft zurück. In der Mitte des Plakats war eine Waage abgebildet, die dem Kampagnensymbol Karsais verdächtig ähnelte. Im Kreise seiner ausländischen Berater heißt es, Nadschafi neige zwar zu Wutausbrüchen, mache aber am Ende immer das, was ihm geraten wird.
Während seines Exils in Pakistan engagierte er sich in sozialen Projekten. Er gründete zahlreiche Organisationen wie das "Wissenschaftliche Institut", eine Bildungseinrichtung für afghanische Flüchtlinge in Pakistan, die "Allianz Afghanischer Berufstätiger für Menschenrechte" sowie ein Krankenhaus für afghanische Flüchtlinge, in dem er jahrelang als Arzt arbeitete.
  • Aus der FTD vom 20.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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