Jérôme Kerviel gilt bei Kollegen als Einzelgänger
Kerviel habe sich nicht persönlich bereichert, und seine Motive seien unbekannt, sagte Daniel Bouton, Vorstands- und Verwaltungsratschef der Bank. Vizechef Philippe Citerne sprach jedoch von einem "nicht zu erklärenden Akt der Böswilligkeit". Allerdings stehen die Topmanager selbst in der Kritik, weil die Geschäfte Kerviels monatelang unentdeckt blieben.
"Er hat einfach nur gespielt", sagte dagegen ein Gewerkschaftsvertreter der Bank über Kerviel. Das passt zu einem Mann, der für sein Ziel, am großen Spiel der Börsen teilzuhaben, kämpfen musste. Denn als Kerviel im August 2000 nach seinem Wirtschaftsstudium in Lyon zu Société Générale nach Paris kommt, arbeitet er zunächst im sogenannten Backoffice, dem ungeliebten Hinterzimmer der Handelsräume, in dem Geschäfte abgewickelt werden - und wo auch die Risikokontrolleure sitzen. Erst 2006 bekommt er als einer von wenigen Backofficekräften eine Stelle im Eigenhandel.
"Er ist sehr still, ein Einzelgänger", sagte ein Banksprecher. "Er hatte sich den Traum, ein Börsenhändler zu werden, erfüllt." Kerviel verdiente rund 100.000 Euro pro Jahr - nicht viel in der Welt der Investmentbanken, wo manche Aktienanalysten das Fünffache davon als Vergütung bekommen. Kerviel sollte der Bank mit Termingeschäften auf europäische Aktienindizes 20 Mio. Euro an Einnahmen pro Jahr bringen, sagte Mustier. Das war Kerviel offenbar nicht genug. Seine Kenntnisse aus dem Backoffice nutzte er, um unentdeckt weit größere Finanzwetten einzugehen. Im vergangenen Jahr machte er so große Gewinne. Anfang 2008 verließ ihn das Glück.
"Er hat seinen Bonus für 2007 noch nicht erhalten", sagte Vorstandschef Bouton und ergänzte: "Ich glaube aber nicht, dass er ihn einfordert."