Kopf des Tages:Diana Farrell - Marktliberale a. D.
Goldman Sachs, McKinsey: Diana Farrell machte mächtig Karriere. Für den US-Präsidenten Obama baut sie nun die Aufsicht über den wichtigsten Finanzplatz der Welt um. Dabei wirft sie alte Ansichten über Bord. von Astrid Dörner
Wenn Diana Farrell über die Neuordnung der US-Regulierungsbehörden spricht, dann verwendet sie gern ein Sprachbild aus ihrem Zweitjob, dem Erziehen von ihren zwei Kindern und der daraus folgenden Hausarbeit. "Es hat viel mit Geschirrspülen gemeinsam", zitiert das "Wall Street Journal" Farrell, "gerade wenn du glaubst, dass du fertig bist, und gerade wenn du den letzten Teller weglegst, taucht wieder ein ganz neuer Stapel auf."
Farrell weiß, wovon sie spricht. Die 44-Jährige ist mitverantwortlich für zwei der wichtigsten Projekte der Regierung: Als Vizedirektorin des Wirtschaftsrates im Weißen Haus hat sie maßgeblich an der Reform der Finanzaufsicht mitgearbeitet, die Präsident Barack Obama am Mittwoch vorstellte. Es ist die größte Neuordnung der Regulierungsbehörden seit den 30er-Jahren und eines der größten Vorhaben, das Obama bislang angepackt hat.
Zudem gehört Farrell der Auto-Taskforce der Regierung an, die vor wenigen Wochen den größten Autobauer des Landes, General Motors, und den kleineren Konkurrenten Chrysler in die Insolvenz geschickt hat.
Diana Farrell
Farrell war schon für mehrere einflussreiche Arbeitgeber tätig. Ihre Karriere startet die Ökonomin - wie viele andere in Washingtons Regierungskreisen - bei der Investmentbank Goldman Sachs. Nach einem MBA in Harvard ging sie zur Unternehmensberatung McKinsey.
Die zierliche Frau mit dem freundlichen Blick wird in der Regierung geschätzt für ihre rasche Auffassungsgabe und der Fähigkeit, den Blick für die großen Zusammenhänge zu haben. Das kommt nicht von ungefähr: Als Direktorin bei McKinseys Global Institute, dem internen ökonomischen Thinktank der renommierten Beratung, befasste sie sich unter anderem mit der Finanzbranche, Arbeitsmärkten und der Auslagerung von Unternehmensaufgaben nach Übersee.
Die Finanzkrise hat auch Farrells Weltanschauung beachtlich verändert. 1996 veröffentlichte sie mit einem McKinsey-Kollegen das Buch "Ungebundene Märkte: die Freisetzung des globalen Kapitalismus". Darin schildert sie, wie der private Sektor die Wirtschafts- und Finanzregeln neu schreibt und die Regierung dabei immer weiter an den Rand gedrängt wird. Das hat sich freilich geändert. Heute hält Farrell einen starken Staat für zwingend notwendig. "Die Aufgabe der Regierung ist es, die schwierigen Kreditbedingungen wieder zu lösen", sagt sie. Farrell betont, dass sich die Rolle des Staates grundlegend ändern wird und Unternehmen hinnehmen müssten, dass die Regierung auch in Industrieländern ein deutlich stärkerer Akteur werden wird. "Unternehmen müssen Strategien entwickeln, um mit einem sich stets verändernden Regulierungsumfeld klarzukommen", sagt die ehemalige Beraterin.
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