Kopf des Tages:Dmitri Medwedew - Putins Polit-Marionette
Der Mann auf dem Podium schien unsicher, ja schüchtern. Immer wieder wischte sich der Redner den Schweiß von der Stirn - und das, obwohl sein Vortrag niemanden vom Hocker reißen konnte. Es war im April vergangenen Jahres, als sich der russische Vizepremier Dmitri Medwedew in Hannover den deutschen Managern präsentierte. von Nils Kreimeier
Schon damals galt der Vertraute von Russlands Präsidenten Wladimir Putin als dessen möglicher Nachfolger. Und schon damals erinnerte Medwedew in all seiner Unsicherheit verblüffend an Putin selbst - und an dessen Start als blasser Unbekannter.
Dmitri Medwedew, russischer Präsidentschaftskandidat, ist ein folgsamer Bürokrat
Seitdem ist eine Menge geschehen. Medwedew erhielt in der Regierung die Zuständigkeit für die populären Sozialprogramme, was ihm viele vorteilhafte Auftritte im Fernsehen verschaffte. Er wurde von den russischen Medien hochgeschrieben und verschwand dann wieder in der Versenkung, abgeschrieben bereits als gescheiterter Bewerber. Zu jung, zu brav, zu unscheinbar schien der Kandidat.
Es spricht vieles dafür, dass gerade dieses Profil der Grund ist, weshalb der 42-Jährige nun doch mit Putins Unterstützung bei der Präsidentenwahl antritt - und damit fast sicher auch als nächster Staatschef gelten kann. Mit der Entscheidung für Medwedew können sich alle Machtfraktionen im Kreml abfinden, die Anhänger von vermehrten Eingriffen des Staats wie die Befürworter der Marktwirtschaft. Und auch das westliche Ausland, das in Medwedew vor allem einen Pragmatiker sieht.
"Medwedew ist eine strategische Wahl, ein sehr seriöser Kandidat, der die Balance wahren kann", sagt Alexej Makarkin, Politologe am Moskauer Zentrum für politische Technologien. Der Oppositionspolitiker Wladimir Ryschkow nennt Medwedew einen "Kompromissnachfolger".
Für Putin dürfte vor allem zählen, dass er in Medwedew einen absolut loyalen Nachfolger bekommt. Der studierte Jurist arbeitete dem heutigen Staatschef bereits in den 90er-Jahren während dessen Zeit in der Petersburger Stadtverwaltung zu. Er folgte Putin dann nach Moskau und organisierte als Vizechef der Präsidialverwaltung dessen Kampagne vor der Präsidentenwahl 2000.
Für seine guten Dienste wurde Medwedew mit immer einflussreicheren Posten belohnt. Er übernahm den Aufsichtsratsvorsitz beim staatlich kontrollierten Energieriesen Gazprom und manövrierte das Unternehmen durch die großen Auseinandersetzungen mit dem Westen. 2003 stieg Medwedew zum Leiter der Kremladministration auf und wurde so einer der einflussreichsten Strippenzieher in Moskaus Polittheater.
Persönliche Ambitionen ließ der folgsame Beamte fast nie durchblicken. Er war stets ein ausführendes Organ und diente Putin immer treu. Und im Grunde soll Medwedew jetzt auch nichts anderes tun.
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