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Merken   Drucken   28.01.2008, 19:48 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Edward Kennedy - Doyen der Demokraten

Es gibt ein Spiel unter US-Präsidentschaftskandidaten, das heißt: Wer hat die prominentesten Unterstützer? Die Bewerber scheuen keine Mühen, namhafte Helfer hinter sich zu sammeln, die den Wählern dann einreden, dieser oder jener Kandidat sei der ehrlichste, klügste, beste Mensch, der je ins Weiße Haus wollte. von Hubert Wetzel
Den Wählern ist das zumeist völlig egal, weswegen der politische Wert solcher "Endorsements" in der Regel eher gering ist. Es gibt freilich Ausnahmen. Dazu gehört Edward Moore Kennedy , genannt Ted, langjähriger US-Senator aus Massachusetts und prominentester noch lebender Vertreter des Kennedy-Clans. Bei einem gemeinsamen Auftritt in Washington gab der 75-Jährige am Montag dem jungen schwarzen Politstar Barack Obama  seinen Segen - ein herber Schlag für dessen Rivalin Hillary Clinton , die zusammen mit ihrem Mann Bill versucht hatte, die Wahlempfehlung abzuwenden.
Obama profitiert auf zweierlei Art von Kennedys Unterstützung. Zum einen verfügt der altgediente Fuchs Kennedy über ein großes Netz an politischen Freunden, das jetzt Obama zur Verfügung steht. Beim Sammeln weiterer Wahlkampfspenden dürfte sich das als äußerst nützlich erweisen.
Zum anderen ist da der Name. Ted ist der kleine Bruder der ermordeten Kennedy-Legenden John Fitzgerald (Präsident) und Robert (Justizminister und Präsidentschaftskandidat). Beide sind, obgleich seit gut 40 Jahren tot, immer noch die Ikonen der Demokraten. Ted hat in seiner Karriere zwar nicht ganz das politische Kaliber seiner Brüder erreicht. Heute, nach 46 Jahren im Senat, zahllosen politischen Schlachten und den vielen Familientragödien, die die Dynastie aus Boston getroffen haben, ist er jedoch der unangefochtene Doyen der Demokratischen Partei.
US-Senator Edward Kennedy unterstützt Barack Obama   US-Senator Edward Kennedy unterstützt Barack Obama
Und zugleich ihr linksliberales Gewissen. Immer wieder war er in der Vergangenheit der Fackelträger des linken Parteiflügels, ob im Kampf gegen Abtreibungsgegner, die Waffenlobby oder die Ernennung konservativer Richter. 2002 war er - im Gegensatz zu Hillary Clinton - einer der wenigen demokratischen Senatoren, die gegen den Irakkrieg stimmten. Bei der Parteibasis genießt Kennedy daher hohes Ansehen, das er jetzt für Obama in die Waagschale werfen wird.
Angeblich hat Kennedy es sich schwer gemacht mit seiner Wahlempfehlung. Erst die rassistischen Untertöne, die seine Senatskollegin Clinton im Wahlkampf in South Carolina anschlug, hätten ihn ins Obama-Lager getrieben, heißt es. Die Bekanntgabe seiner Empfehlung habe er dann mit Caroline Kennedy abgestimmt, der Tochter von John F., die sich am Sonntag ebenfalls für Obama ausgesprochen hat.
Allerdings ist der Kennedy-Clan so verzweigt, dass auch für Clinton noch eine Wahlempfehlung abfiel: Teds Nichte Kathleen Kennedy Townsend, Tochter des ermordeten Robert, stellte sich am Sonntag in einer eiligen Presseerklärung hinter Hillary.
  • Aus der FTD vom 29.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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