FTD.de » Management + Karriere » Who's who » Ein-Euro-Jobber Wolfgang Klein

Merken   Drucken   15.03.2009, 19:27 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Ein-Euro-Jobber Wolfgang Klein

Das kennt man eigentlich nur aus den USA: Vorstandschefs arbeiten für ein Symbolgehalt. Wolfgang Klein bringt die Debatte nach Deutschland. Der Postbank-Chef will 2009 nur 1 Euro annehmen - als Reaktion auf einen Fehler. von Nina Luttmer
Wolfgang Klein  wählte am Wochenende den Weg, den derzeit ungewöhnlich viele Bankchefs einschlagen, um sich ihren Kummer von der Seele zu reden: die "Bild"-Zeitung. "Ich werde dem Aufsichtsrat der Postbank  anbieten, in diesem Jahr für 1 Euro zu arbeiten", kündigte Klein dort an. Damit wolle er deutlich machen, dass es ihm nur um das Wohl der Bank gehe und nicht um seine eigenen Interessen.
Von einer öffentlichen Entschuldigung sah der Postbank-Chef ab. Doch sein angekündigter Gehaltsverzicht wirkt dennoch wie ein Schuldgeständnis und Zeichen der Reue.
Im Februar hatte der 44-jährige Klein, der stets locker und etwas jungenhaft wirkt, einen entscheidenden Fehler begangen: Bei der Verkündung des miserablen Jahresergebnisses der Bank von minus 821 Mio. Euro hatte er erklärt, dass der komplette Postbank-Vorstand auf seine Bonuszahlungen für 2008 verzichten würde.
Unerwähnt dagegen ließ Klein etwas, wovon er hätte wissen müssen, dass es spätestens mit der Offenlegung der Vorstandsvergütung im Geschäftsbericht zu einem öffentlichen Aufschrei führen würde: Der Postbank-Vorstand erhielt für 2008 sehr wohl einen Bonus. Die "Sonderboni" flossen dafür, dass die Vorstände des Bonner Instituts während des Verkaufsprozesses im vergangenen Jahr nicht verlassen hatten.
Der Vorstandssprecher der Postbank Wolfgang Klein arbeitet für ein ...   Der Vorstandssprecher der Postbank Wolfgang Klein arbeitet für ein Gehalt von 1 Euro
Die Postbank-Hauptaktionärin Deutsche Post hatte Teile ihrer Beteiligung an die Deutsche Bank  verkauft, die die Postbank nun schrittweise ganz übernehmen kann. Insgesamt 12 Mio. Euro kassierte der Postbank-Vorstand als Halteprämie, Klein allein davon 2,4 Mio. Euro.
Zu normalen Zeiten hätte eine solche Prämie wohl fast als normal gegolten. Zumal Klein, der die Postbank seit Mitte 2007 führt, tatsächlich als Gegner der Übernahme seines Instituts durch die Deutsche Bank gilt - es also nicht abwegig ist, anzunehmen, dass es für ihn Anreize gab, die Postbank zu verlassen.
Doch die Zeiten sind alles andere als normal. So hatten die Postbank-Aktionäre, die für die Bonuszahlungen geradestehen müssen, zuletzt wenig Freude an ihrem Investment: Binnen einem Jahr ist der Kurs der Postbank-Aktie von über 60 Euro auf unter 10 Euro gefallen.
Die Diskussion um die Sonderboni habe ihn persönlich "sehr getroffen", gestand der gebürtige Ruhrpottler Klein nun. Der kommunikative und moralische Fauxpas überrascht dennoch die Branche. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler gilt als strategisch versiert: Immerhin begann er seine Karriere bei der Beratung McKinsey. Nach einer weiteren Station bei der Dresdner Bank wechselte er als Vorstand zum hochpolitischen Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Vor sieben Jahren dann wurde Klein in den Vorstand der Postbank berufen.
Dort will er trotz der derzeitigen Kritik an seiner Person auch bleiben. Er werde sich mit "ganzer Kraft für diese Bank einsetzen", sagte er am Samstag.
13:26:36 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Deutsche Bank 29,39 EUR   +1,07%  0.31
Postbank 29,1 EUR   -0,51%  -0.15
  • Aus der FTD vom 16.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote