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Merken   Drucken   26.08.2008, 20:36 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Ekkehard Schulz - Der Jäger aus Kurpfalz

Schwere Zeiten für ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz. Er will sich von 23.000 Beschäftigten trennen. Und das ist nicht die einzige große Aufgabe, die auf ihn in seiner wahrscheinlich letzten Amtszeit wartet. von Kirsten Bialdiga
Ekkehard Schulz  ist ein wenig grauer geworden. Noch immer sind dem hochgewachsenen, stattlichen ThyssenKrupp -Chef seine 67 Jahre nicht anzusehen. Doch die letzten Monate haben Spuren hinterlassen. Am täglichen Geschäft liegt das nicht - das läuft noch immer hervorragend. Stahl, Industriegüter und Dienstleistungen werfen nach wie vor hohe Gewinne ab. So hohe, dass der ThyssenKrupp-Chef vor knapp zwei Wochen die Prognose für dieses Geschäftsjahr noch einmal anhob. 3,2 Mrd. Euro Vorsteuergewinn soll der Konzern erreichen - bei 53 Mrd. Euro Umsatz. Der Stahlboom, getrieben von der Nachfrage aus Asien, kann dem Konjunkturpessimismus trotzen - noch.
Schulz treiben andere Sorgen um. Der Bau der Stahlwerke in Amerika wird teurer, deutlich teurer als geplant. Statt 3 Mrd. Euro muss ThyssenKrupp nun 4,5 Mrd. Euro für die neue Hütte in Brasilien zahlen. Und auch beim zweiten Projekt im US-Bundesstaat Alabama drohen die Kosten aus dem Ruder zu laufen.
Von einem Zusammenhang zwischen dieser unerwarteten Kostenexplosion und dem am Dienstag angekündigten Verkauf der Industrieservicesparte mit 1,7 Mrd. Euro Umsatz und 23.000 Beschäftigten will der erfahrene Stahlmanager dennoch nichts wissen. Scharf weist er entsprechende Überlegungen zurück: "Die Themen haben nichts miteinander zu tun - ein solcher Zusammenhang wird klar dementiert." Dementi hin oder her - Schulz muss nun in seiner möglicherweise letzten Amtszeit doch noch schmerzhafte Schnitte verkünden. Denn auch in anderen Sparten stünden zurzeit Geschäfte auf dem Prüfstand, räumte er am Dienstag ein.
ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz   ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz
Dabei hätte sich "Ekki", wie ihn Freunde nennen, auf dem Höhepunkt des Stahlbooms mit exzellenten Ergebnissen verabschieden können. Ende Januar 2009 wäre sein Vertrag ausgelaufen, wenn der Aufsichtsrat ihn nicht vorzeitig um zwei Jahre verlängert hätte. Vor allem Berthold Beitz, Ehrenaufsichtsrat und mächtigster Mann im Konzern, hatte sich dafür ausgesprochen.
Ein glanzvoller Abgang aus persönlicher Eitelkeit - so etwas liegt Schulz fern. Seit der gebürtige Westpreuße an der Spitze von ThyssenKrupp steht - und das sind mittlerweile neun Jahre - stellt er stets die Sache in den Mittelpunkt. Wenn es um ihn persönlich geht, wird Schulz hingegen zurückhaltend. Nur so viel ist bekannt: Nach der Flucht aus Westpreußen wächst er als Halbwaise mit seiner Mutter im Pfälzer Wald auf. Aus seiner Kindheit im Försterhaus ist ihm die Leidenschaft für die Jagd geblieben - die er mit Beitz und anderen ThyssenKrupp-Managern teilt. Ein Praktikum beim Stahlkonzern Röchling bringt Schulz zur Eisenhüttenkunde. Es folgt ein geradliniger Aufstieg bei Thyssen. Nach dem Zusammenschluss mit Krupp rückt er an die Spitze des fusionierten Konzerns.
Diese Geradlinigkeit und seine Bescheidenheit rechnen die Belegschaft ihrem Konzernchef hoch an. Sympathien, die Schulz in den nächsten Wochen gut gebrauchen kann.
13:26:47 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
ThyssenKrupp 14,13 EUR   -2,75%  -0.4
  • Aus der FTD vom 27.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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