Als Chef des Hypothekenfinanzierers Fannie Mae ist Daniel Mudd im vergangenen Herbst grandios gescheitert. Als Chef des Finanzinvestors Fortress soll der umstrittene Manager nun sein Comeback starten. von Matthias Ruch
Wenige Tage vor seiner Entlassung macht Daniel Mudd noch gute Miene zum bösen Spiel. "Wir sind finanziell gesund und haben hohe Kapitalreserven", versichert der Chef des Hypothekenfinanzierers Fannie Mae im US-Fernsehen. Vertrauen schaffen, Kunden bei der Stange halten und um jeden Preis eine Panik vermeiden - darauf kommt es an in diesem August 2008. Ruhig, seriös und voller Optimismus versucht Mudd zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Am 7. September ist das Theater dann endgültig vorbei. Der Staat übernimmt die Kontrolle über Fannie Mae. Und Mudd muss gehen.
Heute, zehn Monate danach, ist der 1956 geborene Mudd wieder ganz oben. Schon am Montag könnte er offiziell zum neuen Chef der Private-Equity- und Hedge-Fonds-Firma Fortress berufen werden, heißt es in Branchenkreisen in New York. Offiziell bestätigen wollen das zwar weder Fortress noch Mudd. Doch die Entscheidung wäre konsequent: Seit dem erfolgreichen Börsengang des Investmentkonzerns im Februar 2007 sitzt Mudd dort im Board und gilt intern als einer der führenden Köpfe hinter dem bisherigen Konzernchef Wesley Edens. "Er bringt Erfahrungen mit der Führung von börsennotierten Gesellschaften mit", sagt Leslie Rahl, der Mudd noch aus den gemeinsamen Jahren bei Fannie Mae kennt.
Fannie Mae CEO Daniel Mudd
Edens, der Fortress 1998 als Private-Equity-Firma mit gegründet hatte, soll dem Unternehmen allerdings weiter erhalten bleiben. Er tritt lediglich einen Schritt zurück und wird künftig als Co-Chairman neben dem früheren Goldman-Sachs-Partner Pete Briger agieren.
Nachdem Fortress im vergangenen Herbst nach eigenen Angaben "an den Rand der Insolvenz" geraten war, wird der neue Chef nun vor allem einen Ausweg aus der Krise finden müssen. Eine Option ist die Umwandlung des Unternehmens in eine Bankholding. Seit Monaten ist Fortress auf der Suche nach Übernahmegelegenheiten bei angeschlagenen US-Banken und Finanzdienstleistern. Mit dem gemeinsam mit anderen Investoren Ende Mai gestemmten Kauf der First Southern Bank in Florida für 450 Mio. $ bekam Fortress bereits einen Fuß in die Tür der Bankenbranche. Am Markt machen Offensiven wie diese offenbar Hoffnung. Seit März hat die Fortress-Aktie ihren Wert auf zuletzt 3,25 $ mehr als verdreifacht. Das eigene Investitionsvolumen bezifferte Fortress zuletzt Ende März auf mehr als 26 Mrd. $.
Dass Mudd in der amerikanischen Öffentlichkeit wegen seiner angeblichen Geldgier umstritten ist, scheint Fortress nicht weiter zu stören. Trotz der Pleite von Fannie Mae bestand Mudd nach seiner Entlassung auf einer Abfindung von 8,4 Mio. $. Erst nach massiven öffentlichen Protesten stoppte der US-Kongress die Zahlung. "Es wäre skrupellos, diese aufgeblasenen Zahlungen zu leisten", begründete Senator Charles Schumer den Eingriff. "Schließlich hat sich die Führung wohl kaum gute Noten verdient."
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