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Merken   Drucken   27.07.2009, 19:37 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Feinberg auf verlorenem Posten

Kenneth Feinberg soll im Auftrag der US-Regierung Gehaltsexzesse bei staatlich gestützten Unternehmen unterbinden. Doch noch tanzen vor allem die Großbanken dem erfahrenen Mediator auf der Nase herum. von Sebastian Bräuer und Astrid Dörner
Es braut sich etwas zusammen für Kenneth Feinberg . Seit Präsident Barack Obama  den Rechtsanwalt am 10. Juni beauftragte, Gehaltsexzesse im Finanzsektor zu unterbinden, scheinen sich die Banken gegen ihn verschworen zu haben: Sie werben sich gegenseitig die besten Köpfe mit hohen Prämien ab, erhöhen die Gehälter, stellen exorbitante Boni am Jahresende in Aussicht - kurz gesagt, sie tun alles, was Feinberg verhindern soll.
Bis zu 100 Mio. $ könnte ein einziger Händler der Citigroup  bekommen, hieß es am Wochenende - die staatsgestützte Bank widersprach nicht.
Auf der anderen Seite steht ein Präsident, der in mehreren Reden mit scharfen Formulierungen Stimmung gegen ausufernde Managervergütungen gemacht hat. Feinberg ist dafür verantwortlich, dass den Worten Taten folgen sollen. Er ist der Handlanger Washingtons in einer hochemotionalen Auseinandersetzung um Millionenbeträge. Am 13. August müssen ihm die Vorstände von sieben Instituten ihre Gehaltskonzepte vorlegen. Schon lässt die Regierung die Drohung streuen, die Staatshilfen zu kürzen, sollten die angeschlagenen Häuser nicht spuren.
Der Juris Kenneth Feinberg   Der Juris Kenneth Feinberg
Feinberg ist ein renommierter Jurist. Er arbeitete für Senator Ted Kennedy, für eine Staatsanwaltschaft und für die Kanzlei Kaye Scholer, bevor er sich mit einer Kanzlei selbstständig machte.
Doch bei seiner jetzigen Aufgabe geht es weniger um die Auslegung von Gesetzen und schon gar nicht um scharfzüngige Ausführungen vor Gericht. Feinberg muss vermitteln und einen praxistauglichen Kompromiss suchen zwischen der Ansicht, dass Boni unmoralisch sind, und dem Gegenargument, dass der Verzicht auf Boni zum Exodus von Managern und Händlern führt.
Wenn einer dazu in der Lage ist, dann Feinberg, heißt es in Fachkreisen. Er hat Erfahrung mit Fällen, vor denen die meisten Kollegen zurückschrecken würden. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 überwachte Feinberg den Entschädigungsfonds der Regierung für die Opfer. Er übernahm die unlösbar scheinende Aufgabe, das Leben der Verstorbenen finanziell zu bewerten und den Hinterbliebenen Entschädigungszahlungen anzubieten, um Klagen zu vermeiden.
Feinberg überraschte seine Kritiker: Er traf sich mit betroffenen Familien und sprach öffentlich darüber, wie schwierig seine Aufgabe sei - sowohl emotional als auch fachlich. Manchmal, wenn ihm alles zu viel wurde, entspannte er sich bei Opernmusik. Doch er arbeitete schneller als erhofft: Bereits 2002 wurden die ersten Entschädigungen gezahlt, was viele Familien dazu brachte, auf Klagen zu verzichten.
Auch jetzt versucht er, die angespannte Stimmung zu entschärfen. Er lehne es ab, "Vergütungszar" genannt zu werden, sagt Feinberg. "Das ist eine sehr armselige Art, meine Rolle zu beschreiben."
  • Aus der FTD vom 28.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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