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Merken   Drucken   29.01.2009, 19:20 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Flowers - Schrecken ohne Ende

Er hat mit seinen beiden deutschen Bankbeteiligungen schwer danebengegriffen. Bei der HSH Nordbank hat der US-Investor bisher nur draufgezahlt. Auch seinen Hypo-Anteil droht Christopher Flowers zu verlieren. von Rolf Lebert (Frankfurt)
Christopher Flowers  will eigentlich nur eines: Geld verdienen. So war auch sein Einstieg bei der Hypo Real Estate  (HRE) im Juni 2008 nicht auf die Ewigkeit ausgelegt. Es war ein Finanzinvestment, das zum richtigen Zeitpunkt mit Gewinn wieder abgestoßen werden sollte.
Für 24,9 Prozent an der HRE zahlte der 50-jährige ehemalige Goldman-Sachs-Banker 22,50 Euro je Aktie. Zu wenig, wie der damalige Vorstand der Bank befand und das Angebot deshalb den Aktionären nicht zur Annahme empfehlen mochte. Tatsächlich war es viel zu viel, wie sich herausstellen sollte. 1,50 Euro ist die Aktie heute noch wert. In nur knapp sieben Monaten hat Flowers über 90 Prozent seines Einsatzes verloren.
Es könnte noch schlimmer kommen. Wie in Berlin zu hören war, ist die Verstaatlichung der HRE so gut wie beschlossen. Schon am Freitag wurde im Lenkungsausschuss des staatlichen Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) eine Grundsatzentscheidung erwartet.
Christopher Flowers   Christopher Flowers
In ihrer gegenwärtigen Verfassung verliert die Bank bei jeder Refinanzierungstransaktion am Markt Geld. Staat und Finanzwirtschaft, die bereits mit Kreditlinien und Bürgschaften über 92 Mrd. Euro engagiert sind, wollen diesen Zustand nicht länger hinnehmen. Vor allem der Staat fürchtet ein Fass ohne Boden. Um das Geld des Steuerzahlers zu schützen, will Berlin daher das Heft direkt in die Hand nehmen.
Je nachdem, wie die Modalitäten aussehen, kann die Beteiligung Flowers' bei einer voraussichtlichen staatlichen Kapitalzufuhr von 10 Mrd. Euro auf einen Erinnerungswert von weniger als einem Prozent schrumpfen. Nach Informationen aus seinem Umfeld soll sich der scheue amerikanische Investor mit diesem trüben Ausblick abgefunden haben. Es bleibt ihm auch nicht viel anderes übrig. De facto hat er bereits fast alles verloren, und außerdem kann er sich dem großvolumigen Staatseinstieg mit seinem unterhalb der Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie liegenden Anteil auch nicht ernsthaft widersetzen.
Der Investor hat daher aus der Not eine Tugend gemacht und sich auf die Seite der Befürworter einer Staatsbeteiligung geschlagen. Im Aufsichtsrat der Bank sagte er, er wolle eine solche Lösung mittragen. "Flowers begrüßt und unterstützt zusammen mit dem Vorstand den Staatseintritt", sagte ein Insider.
Auch wenn es wehtut, alles andere wäre irrational. Flowers kann nicht darauf rechnen, dass ihn der Staat mit einer üppigen Prämie aus der HRE herauskauft. "Staat wirft Heuschrecke Geld hinterher. Den öffentlichen Aufschrei würde man bis nach Timbuktu hören", sagte ein Insider. Vom Aufstand der übrigen Aktionäre ganz abgesehen.
Der Investor kann daher nur darauf hoffen, dass die Verstaatlichung der HRE und die damit verbundenen einschneidenden Sanierungsmaßnahmen das längerfristige Überleben der Bank sichern. Dann könnte sich eines Tages vielleicht doch noch eine Möglichkeit zu einem weniger schmerzhaften Ausstieg ergeben. Flowers wird ein langer Atem nachgesagt.
  • Aus der FTD vom 30.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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