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Merken   Drucken   23.06.2009, 19:50 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Francesco Bandarin - Hüter des Welterbes

Francesco Bandarin hat als Direktor des Unesco-Welterbekomitees eigentlich den Job, Kulturschätze zu bewahren. Am Mittwoch ist er Zuchtmeister: Seine Organisation entscheidet darüber, ob das Dresdner Elbtal degradiert wird. von Andre Tauber
Mit Brücken kennt sich Francesco Bandarin  bestens aus. Der Direktor des Welterbekomitees der Uno-Kulturorganisation Unesco lehrte einst in der norditalienischen Lagunenstadt Venedig Stadtplanung. Seit neun Jahren ist Bandarin nun schon für die Unesco in Paris tätig - und einmal mehr ist es der Brückenbau, um die seine Arbeit kreist.
Seit Dienstagnachmittag brütet das Unesco-Komitee in der spanischen Stadt Sevilla über der Frage, ob das Dresdner Elbtal seinen prestigereichen Welterbetitel verliert - wegen der geplanten Waldschlösschenbrücke, die so malerisch klingt, nach Ansicht der Uno-Organisation aber das Stadtpanorama und den Blick auf das Elbtal verschandelt. Am Mittwoch soll die Sache entschieden werden.
Seit Jahren liegen die Unesco und Dresden wegen des über 150 Mio. Euro teuren Projekts nun schon im Clinch. Die Stadt weigert sich, auf die 600 Meter lange Stahl-Beton-Konstruktion zu verzichten; schließlich hießen die Dresdner die Brücke 2005 in einem Volksentscheid gut. Mehrfach hatte das Welterbekomitee mit dem Entzug des Titels gedroht, sollte die Brücke gebaut werden. Dass die Delegierten damit ernst machen, galt zuletzt als wahrscheinlich.
Für Bandarin geht es auch um seine Glaubwürdigkeit. Zwar ist er als Direktor des Welterbekomitees streng genommen nur für den laufenden Betrieb des Gremiums zuständig, dem ansonsten wechselnde Vertreter aus 21 Staaten angehören. Deutschland ist derzeit nicht dabei. In der Öffentlichkeit ist es aber stets Bandarin gewesen, der für die Unesco in Erscheinung trat. Er war es, der Dresden mit dem Titelentzug drohte. Für ihn gehe es darum, eine "Niederlage" des Welterbekomitees zu verhindern, sagte der Italiener einmal in einem Interview.
Schon einmal musste die Unesco hart sein. Im Jahr 2007 entzog die Organisation einem Naturpark in Oman den Status, weil die Behörden mit der Ölförderung begannen. Und im Frühjahr 2008 stritt Bandarin mit der tschechischen Hauptstadt Prag über den Bau von Hochhäusern im Stadtteil Pankrac.
Mit solchen Probleme wird sich das Welterbekomitee in Zukunft häufiger herumschlagen müssen. Denn die Zahl der Unesco-Kulturstätten wächst beachtlich. Weltweit stehen bereits 878 Bauwerke, Landschaften oder Kulturdenkmäler auf der Liste - darunter der Kölner Dom, die Stadt Weimar und die römische Verteidigungslinie Limes.
Die Behörde könnte damit schnell überfordert werden. Die 168 Unterzeichnerstaaten der Unesco sind knauserig. Sie stellen dem Welterbekomitee jedes Jahr zwischen 2 und 10 Mio. $ zur Verfügung. Sämtliche Weltkulturstätten im Blick zu behalten fällt bei da schwer.
Sollte Dresden tatsächlich degradiert werden, könnte immerhin ein Trost über den Titelverlust hinweghelfen: Das Komitee entscheidet gleichzeitig darüber, ob das Wattenmeer in die Welterbeliste aufgenommen wird. Und von Brückenprojekten der Friesischen Inseln ist nichts bekannt.
  • Aus der FTD vom 24.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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