Für Bandarin geht es auch um seine Glaubwürdigkeit. Zwar ist er als Direktor des Welterbekomitees streng genommen nur für den laufenden Betrieb des Gremiums zuständig, dem ansonsten wechselnde Vertreter aus 21 Staaten angehören. Deutschland ist derzeit nicht dabei. In der Öffentlichkeit ist es aber stets Bandarin gewesen, der für die Unesco in Erscheinung trat. Er war es, der Dresden mit dem Titelentzug drohte. Für ihn gehe es darum, eine "Niederlage" des Welterbekomitees zu verhindern, sagte der Italiener einmal in einem Interview.
Schon einmal musste die Unesco hart sein. Im Jahr 2007 entzog die Organisation einem Naturpark in Oman den Status, weil die Behörden mit der Ölförderung begannen. Und im Frühjahr 2008 stritt Bandarin mit der tschechischen Hauptstadt Prag über den Bau von Hochhäusern im Stadtteil Pankrac.
Mit solchen Probleme wird sich das Welterbekomitee in Zukunft häufiger herumschlagen müssen. Denn die Zahl der Unesco-Kulturstätten wächst beachtlich. Weltweit stehen bereits 878 Bauwerke, Landschaften oder Kulturdenkmäler auf der Liste - darunter der Kölner Dom, die Stadt Weimar und die römische Verteidigungslinie Limes.
Die Behörde könnte damit schnell überfordert werden. Die 168 Unterzeichnerstaaten der Unesco sind knauserig. Sie stellen dem Welterbekomitee jedes Jahr zwischen 2 und 10 Mio. $ zur Verfügung. Sämtliche Weltkulturstätten im Blick zu behalten fällt bei da schwer.
Sollte Dresden tatsächlich degradiert werden, könnte immerhin ein Trost über den Titelverlust hinweghelfen: Das Komitee entscheidet gleichzeitig darüber, ob das Wattenmeer in die Welterbeliste aufgenommen wird. Und von Brückenprojekten der Friesischen Inseln ist nichts bekannt.