Auf dem Sprung: Frank Appel ist der wahrscheinliche Nachfolger von Klaus Zumwinkel
Denn noch ist, zumindest offiziell, Zumwinkel der Vorstandsvorsitzende. Und noch gilt im Konzern die Sprachregelung, dass "der gesamte Vorstand inklusive seines Vorsitzenden Dr. Zumwinkel vollständig handlungsfähig ist und seine Geschäfte wie gewohnt fortführt".
Tatsächlich aber rechnet kaum noch ein Post-Manager damit, dass Zumwinkel zurückkehren wird. Der Weg ist also frei für den gebürtigen Hamburger Appel, neun Monate früher als vorgesehen. Im November wäre die Epoche Zumwinkel ohnehin abgelaufen. Die Aufsichtsräte jedenfalls haben sich bereits telefonisch beraten, um das Personaltableau bei der Post rasch neu auszurichten. Dass Appel dabei als neuer Vorstandschef gesetzt ist, daran besteht nur wenig Zweifel. Allerdings könnte sich jetzt plötzlich als Manko erweisen, dass der promovierte Neurobiologe ein Zumwinkel-Mann ist, von ihm im Jahr 2000 zur Post geholt und dann zum Kronprinzen ernannt wurde. Erst kürzlich hatte Appel der FTD gesagt: "Es macht großen Spaß, für Zumwinkel zu arbeiten."
Dass es gleichwohl auf Appel zuläuft, hat nicht allein mit seinen Stärken, sondern mit den personellen Alternativen zu tun. Sein größter Konkurrent John Allan, der Finanzchef, gilt mit 59 Jahren als zu alt und weder beim Bund als Post-Großaktionär noch bei den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat als akzeptabel. Sie schätzen Allans Arbeit, lehnen aber einen englischen Manager als Chef der
Deutschen Post strikt ab. Dafür ist der traditionsreiche Konzern zu sehr mit diesem Land verwoben. Die Neubesetzung des Vorstandspostens durch einen Manager von außen gilt bei den meisten Aufsichtsräten ebenfalls als ausgeschlossen.
Mit Appel, so viel ist bereits erkennbar, dürfte sich der Konzern tief greifend verändern. "Die Post ist ein Riesentanker", kritisiert der schlanke, drahtige Manager. Über sich sagt er, dass er Dinge mit einer maximalen Geschwindigkeit voranbringen will. Einige Mitarbeiter nennen dies Ungeduld. Und Appel verlangt bei unternehmerischen Entscheidungen allerhöchste Präzision, darin ganz der Ex-Unternehmensberater aus dem Hause McKinsey.
Als kalter oder gar eitler Manager gilt er aber nicht. "Ich gehe nicht morgens von zu Hause weg und wechsele den Anzug und sage, jetzt bin ich Manager, und wenn ich abends zur Familie komme, bin ich dann wieder ein anderer Mensch", sagt er. Statussymbole mag er nicht, dafür aber freie Wochenenden, die der verheiratete Vater von zwei Kindern gern mit seiner Familie verbringt. Und auf einen großvolumigen Dienstwagen hat er auch, solange es ging, verzichtet. Der Höhepunkt Appel'scher Extravaganz: eine schlichte, unauffällige Uhr von Nomos. Eines aber mag Appel überhaupt nicht: "Wenn Manager Fehler, statt sie einzugestehen und zu korrigieren, schönreden."