Kopf des Tages:Frank Stronach, Österreichs heimlicher Kaiser
Der Magna-Gründer wird von den Österreichern verehrt wie kein zweiter Unternehmer. Selbst die Politik ist Frank Stronach hörig. Die Opel-Übernahme wäre für den Milliardär die Krönung seines Erfolgs. von Christian Höller
Wenn Seine Majestät mal wieder eine zukunftsweisende Idee hat, bringen sie Österreichs Herolde schnell unters Volk. Regelmäßig lädt Magna-Gründer Frank Stronach die Chefredakteure der größten Medien zu sich, um beim Essen mit ihnen seine Gedanken zu teilen. Vergangene Woche etwa forderte er dabei die Regierung zur Gründung eines 2 Mrd. Euro schweren Fonds auf, mit dem Österreichs Wirtschaft angekurbelt werden soll.
Er kann sich dabei sicher sein, dass er Gehör bei Wiens Politikern findet. Seine Wünsche lesen sie ihm üblicherweise von den Lippen ab. Der Firmengründer pflegt beste Kontakte zur politischen Elite, die Liste von ehemaligen Politikern, die auf der Gehaltsliste des Autozulieferers stehen, ist lang. Doch Stronach ist mehr als ein einflussreicher Industrieller. Er gilt als der heimliche Kaiser der Alpenrepublik.
Sein kaum noch zu steigerndes Ansehen verdankt der 76-Jährige seinen Investitionen in der Heimat und einer Geschichte aus der Ferne. Es ist die Erzählung vom armen Werkzeugmacher Franz Strohsack aus dem kleinen Weiz in der Steiermark, der 1954 mit 200 $ in der Tasche auszog, um ein Firmenimperium aufzubauen. Seine Karriere will er tatsächlich als Tellerwäscher in Kanada begonnen haben. Dort änderte er seinen Namen in Stronach. In Toronto gründete er 1957 in einer Garage eine Handwerksfirma. Kurz darauf erhielt er den ersten Auftrag von General Motors.
Magna-Gründer Frank Stronach
Mitte der 90er-Jahre kehrte Stronach nach Österreich zurück. Dort siedelte er Magnas Europazentrale mit 10.000 Arbeitsplätzen an. Der Konzern ist längst nicht nur als Zulieferer tätig. Magna baut und entwickelt auch komplette Fahrzeuge für andere Hersteller. 2007 hatte sich Stronach um die Übernahme von Chrysler bemüht, zog aber gegenüber dem Finanzinvestor Cerberus den Kürzeren.
Seit seiner Rückkehr lässt sich Stronach als Kunstmäzen, Pferdesportförderer und Fußballsponsor feiern. Inzwischen trägt auch der Traditionsverein FC Wiener Neustadt "Magna" im Namen. "Gehört ihm bald die ganze Republik?", fragen Wiener Zeitungen besorgt. Doch nur wenige Beobachter wagen Kritik. Früher habe sich die Politik die wirtschaftlichen Eliten an der Leine gehalten, sagt der Innsbrucker Politologe Anton Pelinka. "Jetzt erleben wir, dass die Wirtschaft sich die politische Elite an der Leine hält."
So gern Stronach der Politik Ratschläge erteilt, so ungern lässt er sich selbst ins Geschäft reinreden. Von Betriebsräten hält der Autokaiser nichts. In den meisten Werken gibt es stattdessen "Vertrauensleute". Zahlungen an die Gewerkschaft hatte er einmal als "Schutzgeldzahlungen an die Mafia" bezeichnet. Die Interessengleichheit von Unternehmer und Arbeiter hat er jedoch in seinen Firmengrundsätzen, der "Magna Charta", festgeschrieben. "Ich war selbst Arbeiter. Ich weiß also, was ein Arbeiter braucht", sagt der Unternehmer immer wieder.
Auf direktem Weg Politik zu gestalten hat er nur einmal versucht. Als Kandidat der Liberal Party mischte er die kanadische Provinz Ontario auf, doch konnte er die Wähler nicht für sich gewinnen. Sein schlichter Slogan lautete: "Let's Be Frank" - Lasst uns ehrlich sein.
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