Gary Gensler bricht mit der bisherigen Strategie der US-Terminbörsenaufsicht CFTC. Der neue Chefregulierer will hart gegen Spekulanten vorgehen. Damit vollzieht er auch eine persönliche Kehrtwende. von Astrid Dörner und Tobias Bayer
Erst seit wenigen Tagen im Amt, schafft sich Gary Gensler schon mächtige Gegner. Der neue Chef der US-Terminmarktaufsicht CFTC will Finanzinvestoren stärker kontrollieren, Spekulanten bekämpfen. Am Mittwoch sprach er von einer "dringend benötigten Regulierung" auf den Derivatemärkten und will nun gemeinsam mit dem Kongress Gesetzeslücken schließen. Er bezeichnet die Rohstoffrally 2008 als "Preisblase" und gibt Finanzinvestoren mit die Schuld daran.
Seine Aussagen stehen im Kontrast zur bisherigen Linie der 1974 gegründeten Washingtoner Behörde, die traditionell als den Spekulanten wohlgesinnt gilt. Sie stehen aber auch für seine persönliche Kehrtwende.
Gensler war unter US-Präsident Bill Clinton im Finanzministerium für die Aufsicht über heimische Finanzmärkte und Finanzdienstleistungen zuständig und ein starker Befürworter von weniger Regulierung. Er unterstützte einen Passus im Commodity Futures Modernization Act von 2000, wonach Kreditderivate wie Credit Default Swaps (CDS) nicht reguliert werden müssen. Diese freie Handhabe wurde von Politikern und Marktbeobachtern in den vergangenen Monaten heftig kritisiert. Der billionenschwere Markt für CDS hat die Finanzkrise deutlich verschärft. Auch die CFTC geriet wegen mangelnder Aufsicht der Derivatemärkte unter Druck.
Der neue Chef der US-Terminmarktaufsicht CFTC Gary Gensler
Der selbstbewusst auftretende Mann mit dem bohrenden Blick entgegnet Kritikern, seine Ansichten hätten sich "weiterentwickelt". Seine Ernennung zum CFTC-Chef verzögerte sich allerdings um fünf Monate, bis alle Gegner im Senat verstummt waren und er die nötigen Stimmen beisammenhatte.
Auch ein weiteres Detail aus Genslers Lebenslauf ruft Kritiker auf den Plan: Der 51-Jährige kommt wie der ehemalige Finanzminister Henry Paulson und viele andere einflussreiche Vertreter aus Washington von Goldman Sachs. Die ehemalige Investmentbank steht in dem Ruf, frühere Mitarbeiter in Schlüsselpositionen der Regierung zu bringen und dadurch einen großen Einfluss auf Washington auszuüben. Gensler verbrachte 18 Jahre bei Goldman, stieg bereits mit 30 Jahren zum Partner auf und wurde später Vizefinanzchef.
Gensler, der im Wahlkampf zunächst Obamas Rivalin Hillary Clinton beriet, werden weiterhin enge Kontakte zur Wall Street nachgesagt. Medienberichten zufolge ist er seit Jahren an dem Finanzinvestor New Mountain Capital beteiligt und soll 2008 für seine Beratungsdienste 70.000 $ erhalten haben.
Seine neue Aufgabe in Washington ist gleich mit zwei großen Hindernissen verbunden: Die Personaldecke sei wie bei der Börsenaufsicht SEC "alarmierend" dünn. Die CFTC beschäftigt nach eigenen Angaben derzeit 122 Ermittlungsbeamte. Das ist der tiefste Stand seit 1984. Dabei hat sich das Handelsvolumen der von der CFTC regulierten Märkte in den vergangenen zehn Jahren fast versechsfacht. Zudem steht zur Debatte, die Terminmarktaufsicht mit der SEC zu fusionieren. Gensler hält sich in dieser Frage bislang bedeckt.
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