Das muss man
René Obermann lassen. Der
Telekom -Chef hätte kaum einen prominenteren Sonderermittler als den ehemaligen Bundesrichter
Gerhard Schäfer präsentieren können, um Licht in die hauseigene Spitzelaffäre zu bringen.
Denn in der Affäre haben auch frühere Stasi-Offiziere eine tragende Rolle. Und mit Geheimdienstlern kennt sich Schäfer aus. Schon 2004 beauftragte ihn der Parlamentarische Kontrollausschuss herauszufinden, ob der Bundesnachrichtendienst Journalisten bespitzelt hat. Der Schäfer-Bericht wurde damals mit viel Anerkennung aufgenommen. Der Jurist stellte teils "eklatante" Gesetzesverstöße fest. Zuvor hatte Schäfer, der als Richter am Bundesgerichtshof seit 2002 im Ruhestand ist, schon Vorwürfe gegen den Auslandsdienst untersucht, die ein ehemaliger Mitarbeiter erhoben hatte.
Der als liberal geltende Strafrechtler genießt als Autor von Gesetzeskommentaren und Standardwerken in der Fachwelt hohes Ansehen. Nach Studium und Promotion begann der Schwabe seine Richterlaufbahn in den 60er-Jahren am Amtsgericht Stuttgart. Sechs Jahre später wurde er Vorsitzender Richter am Landgericht.
In seinen insgesamt 13 Jahren als Richter am Bundesgerichtshof in Berlin und Karlsruhe, zuletzt als Vorsitzender des 1. Strafsenats, war er an mehreren bedeutenden Grundsatzentscheidungen beteiligt. So verhinderte Schäfer mit seinem Urteil, dass der Lügendetektor als Beweismittel bei Strafprozessen zugelassen wird. Diese Methode habe "keinerlei Beweiswert", entschied er damals.
Erstmal ein Bild verschaffen
Auch mit totalitären Strukturen beschäftigte sich Schäfer in dieser Zeit. Als Berichterstatter des 5. Strafsenats entschied er, dass die Mitglieder des DDR-Verteidigungsrats als Mitschuldige an den Erschießungen von Flüchtlingen an der deutsch-deutschen Grenze zu verurteilen sind. Nach seiner Einschätzung war das eines der wichtigsten Urteile seiner Laufbahn.