Der Seismologe Gioacchino Giuliani
Giuliani irrt sich damals nur im Zeitpunkt. Die Erde bebt acht Tage später. In der Nacht zum Montag legt ein Erdbeben Teile der Region Abruzzen in Schutt und Asche. Es ist das schlimmste Erdbeben seit 30 Jahren in Italien. Nun fragen sich viele, ob es nicht besser gewesen wäre, Giuliani zu glauben, statt ihn wegen der Verbreitung unbegründeter Ängste vor Gericht anzuklagen.
Seine Vorhersagen entnimmt der Mann einer Maschine, die in einem Keller der Laboratori Nazionali del Gran Sasso (LNGS) steht - eine renommierte Forschungseinrichtung. Dort steht eine stahlgraue Kiste, in die zwei Datenkabel laufen. In ihr wird die Konzentration des Gases Radon im Boden gemessen. Bei bestimmten Werten droht ein Erdbeben, sagt Giuliani. Wenige Stunden im Voraus will er es vorhersagen. Er sagt, er habe hohe Trefferquoten. Bei vielen Bürgern gilt der Mann nun als Prophet. In Internetblogs wird geklagt, Politiker hätten die Technik unterschätzt. Und Guido Bertolaso, Chef des Zivilschutzes, gerät unter Beschuss. Bertolaso hatte vergangene Woche noch gegen "Schwachköpfe" wie Giuliani gewettert, "die sich amüsieren, falsche Nachrichten zu verbreiten".