Rehm tritt sein neues Amt allerdings nicht blauäugig an. "Er ist mit Merl befreundet. Von ihm wird er aus erster Hand erfahren haben, wo die Probleme liegen", sagt einer aus der Sparkassenszene. Man dürfe davon ausgehen, dass er die Spielregeln geändert hat: "Alles andere würde mich enttäuschen." Spielregeln ändern könnte heißen: mehr Kompetenzen, weniger Mitsprache durch die Politik, vielleicht auch schon eine Vorfestlegung auf die Strategie des Soffin.
Es würde jedenfalls zu ihm passen, alles genau zu klären. Der große Banker mit den grauen Haaren und der randlosen Brille gilt als überkorrekt und ergebnisorientiert. Auch wenn der promovierte Wirtschaftswissenschaftler manchmal fast schüchtern wirkt, haftet ihm gleichwohl etwas Preußisches an. "Er will für alle Eventualitäten vorbereitet sein", sagt einer, der den gebürtigen Berliner kennt. Manchmal sei sogar eine "gewisse Pedanterie" zu spüren. Seinem Arbeitspensum könnten selbst Jüngere kaum folgen. "Er hat zuletzt verdammt wenig Zeit zum Schlafen gehabt", sagt ein anderer Rehm-Kenner. Schließlich kann es in diesen Tagen vorkommen, dass der Finanzminister ihn schon um halb sieben Uhr zum Frühstück sehen will. Zum Ausschlafen wird Rehm jetzt aber erst recht nicht kommen.