Der nordrhein-westfälische Finanzminister Helmut Linssen muss die WestLB retten
Den Höhepunkt seiner Karriere hat sich der 65-jährige Vater einer Tochter sicher anders vorgestellt. Der gebürtige Krefelder, der mit starkem rheinischem Dialekt und gern mal "frei Schnauze" redet, ist seit 1972 für die CDU in Nordrhein-Westfalen aktiv. 1995 kandidierte der studierte Wirtschaftswissenschaftler sogar als - allerdings erfolgloser - Spitzenkandidat bei der Landtagswahl, 2005 wurde er nach dem politischen Wechsel Finanzminister - ein Amt, um das ihn derzeit wohl nicht viele Politiker beneiden.
Am Sonntagabend saßen die Anteilseigner, hauptsächlich die beiden nordrhein-westfälischen Sparkassenverbände und die Landesregierung, sowie Bundesbankchef Axel Weber und der Präsident der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, in Köln zusammen und berieten darüber, wie man die horrende Summe von 2 Mrd. Euro aufbringen könnte.
Dabei dürften die Regierung und ihr Minister Linssen diesmal am kürzeren Hebel sitzen. Denn die Kapitalerhöhung über 1,5 Mrd. Euro im Jahr 2004 trugen allein die beiden Sparkassenverbände, die nun argumentieren dürften, dass dieses Mal das Land die größeren Lasten schultern sollte. Außerdem wollten die Verbände bereits im Herbst eine zügige Fusion mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), um dadurch die Zukunft der WestLB zu sichern. Doch das hatte die NRW-Regierung abgelehnt. Linssen und Rüttgers waren da wohl noch nicht aus ihrem WestLB-Traum von steigenden Preisen und rosigen Zeiten aufgewacht. Nina Luttmer