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Merken   Drucken   25.05.2009, 20:56 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Hilmar Kopper - Der ewige Banker

Er liebt Abenteuer. Bei der HSH Nordbank warten sie auf Hilmar Kopper zuhauf. Um das angeschlagene Institut zu retten, muss der künftige Aufsichtsratschef all sein Können aufbieten - und seine Beziehungen. von Rolf Lebert
Gemessen an der Deutschen Bank  ist die HSH Nordbank ein Zwerg. Als "Peanuts" würde aber wohl selbst Hilmar Kopper  die Aufgabe nicht bezeichnen, die jetzt im hohen Norden auf ihn zukommt. Dieses Wort hatte den langjährigen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank Mitte der 90er-Jahre zu einer nationalen Berühmtheit gemacht. Seit er Handwerkerrechnungen über 50 Mio. DM in der Affäre des Baubankrotteurs Jürgen Schneider  in Beziehung zur damaligen Bilanzsumme der Deutschen Bank von 1000 Mrd. DM gesetzt hat, kleben die Peanuts an ihm wie die Federn am Teer. Dass die Deutsche Bank den Handwerkern die Summe gezahlt hat, obwohl sie dazu nicht verpflichtet war, änderte daran nichts.
Nun steigt der 75-Jährige also noch mal in den Ring, obwohl er es gar nicht nötig hätte. Auf das Honorar und Sitzungsgeld eines Aufsichtsratschefs ist er mit Sicherheit nicht angewiesen. Und sonderlich amüsant sind die Probleme auch nicht, die ihn in Hamburg und Kiel erwarten.
Wer Kopper kennt, kann sich freilich gut vorstellen, dass ihn genau das reizt. Seine letzten Schlachten hat er in Fernseh-Talkshows geschlagen, wo er sich unter anderem bemüßigt fühlte, das Weltbild der Kommunistin Sahra Wagenknecht zurechtzurücken. "Kollabierende Banken gehören zum System", befand Kopper. Diejenigen, die den Hals nicht voll bekommen hätten, würden jetzt brutal abgestraft: "Alles weg, alles tot." TV-Debatten, wandern, ab und an ein gutes Buch - diese Art von Freizeitgestaltung mag Kopper eine Zeit lang Vergnügen bereitet haben, eine echte Herausforderung war es nicht.
Der neue Aufsichtsratschef der HSH Nordbank, Hilmar Kopper   Der neue Aufsichtsratschef der HSH Nordbank, Hilmar Kopper
Bei den HSH-Staatsbankern kann er nun seine Kompetenzen unter Beweis stellen. Ohne massive Staatshilfen wäre das Institut längst ein Fall für den Konkursverwalter. Die stark in der Seeschifffahrt engagierte Bank wieder flottzumachen erfordert mehr als langjährige Erfahrung. Vor allem seine Vernetzung in der deutschen Wirtschaft dürfte ihm dabei unschätzbare Dienste leisten. Wohl bei keinem anderen deutschen Spitzenmanager sind die Strippen während seiner aktiven Zeit so gebündelt zusammengelaufen wie bei ihm.
Kopper hatte seine Karriere bei der Deutschen Bank 1954 mit einer Banklehre begonnen. 1969 führte er die Filiale in Leverkusen, 1977 rückte er in den Konzernvorstand ein. Nach der Ermordung Alfred Herrhausens übernahm er 1989 die Führung der Bank. Kopper ebnete ihr mit dem Kauf der britischen Investmentbank Morgan Grenfell den Weg in in die Spitzenliga des globalen Bankgeschäfts.
Eine weniger glückliche Hand bewies er bei Daimler, wo er von 1990 bis 2007 den Aufsichtsrat führte und maßgeblichen Anteil an folgenschweren strategischen Fehlentscheidungen hatte - vor allem an der Fusion mit Chrysler, die in einem Milliardendebakel endete.
Kopper stammt von einem Gut bei Danzig. Er ist in zweiter Ehe mit Brigitte Seebacher-Brandt, der Witwe des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt, verheiratet.
  • Aus der FTD vom 26.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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