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Merken   Drucken   16.08.2009, 20:22 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Igor Jussufow - Gazproms Mittelsmann

Die Wadan-Werften suchen einen Käufer. Nachdem Ex-Eigner Andrej Burlakow sich als Dampfplauderer erwies, will nun der russische Ex-Energieminister Igor Jussufow einsteigen - offenbar im Auftrag von Gazprom. von Verena Diethelm
Igor Jussufow ist vielen Russen ein Begriff. 2001 wurde er zum russischen Energieminister ernannt. Damals war es selbst für russische Verhältnisse klirrend kalt. Bei minus 50 Grad froren Tausende Menschen in Sibirien in ihren ungeheizten Wohnungen, weil in einigen Regionen der Brennstoff für die thermischen Kraftwerke ausging. Den damaligen Minister Alexander Gawrin kostete die Energiekrise mitten im sibirischen Winter den Job, Jussufow meisterte hingegen die Aufgabe.
Als Retter in der Not versucht sich Jussufow auch diesmal. Die Wadan-Werften, das größte Schiffbauunternehmen Mecklenburg-Vorpommerns mit Standorten in Rostock und Wismar, ist aufgrund des einbrechenden Welthandels in Schieflage geraten und sucht einen neuen Investor.
Jussufow und sein Sohn Witali, der das Moskauer Büro des Pipeline-Konsortiums Nord Stream leitet, wollen den insolventen Schiffbaubetrieb übernehmen und wieder auf Vordermann bringen. Heute kommt der Gläubigerausschuss des insolventen Unternehmens zusammen, um die Details des Konzepts zu prüfen.
Russlands Ex-Energieminister Igor Jussofow   Russlands Ex-Energieminister Igor Jussofow
Offenbar engagieren sich die Jussufows aber nicht mit eigenem Geld. Der Einstieg bei der Wadan-Werft sei keine persönliche Investition Jussufows, sagt eine Quelle aus ihrer Umgebung. Der Aufsichtsrat des Energieriesen Gazprom  sei für einen Pool von strategischen Investoren tätig geworden. Dazu gehören nach Informationen der russischen Zeitung "Wedomosti" die staatliche Vereinigte Schiffbaugesellschaft (OSK), die Vereinigte Industrielle Gesellschaft des russischen Investmentbankers und Putin-Vertrauten Sergej Pugatschow sowie der Wyborger Schiffbaubetrieb WSS.
Jussufow sitzt seit 2004 im Gazprom-Aufsichtsrat. Dem russischen Magazin "Smart Money" zufolge werden von Gazprom-Aufsichtsräten "absolute Loyalität, völlige Vorhersagbarkeit und die Politik der Nichteinmischung in fremde Angelegenheiten" erwartet. Eigenschaften, die das Magazin dem "konfliktscheuen" Jussufow zuschreibt.
Jussufow gilt als Apparatschik. 1956 in Derbent in der russischen Kaukasusrepublik Dagestan geboren, studierte er später Elektrotechnik und Außenhandel. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt auf Kuba legte er in seiner Heimat schließlich eine lupenreine Beamtenkarriere hin. Er war Vizechef des Komitees für den Schutz der Wirtschaftsinteressen Russlands. Danach folgten Stationen als stellvertretender Minister der Außenwirtschaftsbeziehungen und als Chef der Agentur für Staatsreserven. 2004 wurde er zum Spezialrepräsentanten des Präsidenten für internationale Energiekooperationen und Spezialgesandter des Außenministers ernannt.
Wie Andrej Burlakow, sein Vorgänger bei Wadan, hat auch Jussufow Aufträge für eismeertaugliche Schiffe und Flüssiggasfrachter in Aussicht gestellt. Burlakows vollmundige Versprechen entpuppten sich später allerdings als Lippenbekenntnisse.
  • Aus der FTD vom 17.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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