Freenet-Chef Eckhard Spoerr formte den drittgrößten Mobilfunkanbieter Deutschlands
Kaum war der Aufruf in der Welt, sorgte er bereits für Ärger. Keineswegs gebe die Anzeige die Meinung aller Mitarbeiter wieder, hieß es von Arbeitnehmerseite. Die Betriebsräte dreier Standorte hätten den Brief gar nicht unterschrieben. Nun wird gemutmaßt, dass die Spoerr-Befürworter unter den Anteilseignern doch nicht so zahlreich sind wie in den vergangenen Tagen berichtet. "Es geht nur darum, den kleinen, aber wichtigen Teil der Kleinanleger noch auf seine Seite zu ziehen", sagt ein Arbeitnehmervertreter.
Spoerr, Jahrgang 1968, hatte Drillisch und United Internet gegen sich aufgebracht, als er deren Pläne durchkreuzte, Freenet zu übernehmen und unter sich aufzuteilen. Dazu überraschte Spoerr seine beiden Großaktionäre mit der Ankündigung, Freenet werde den Wettbewerber Debitel kaufen. Auf diese Weise formte Spoerr den drittgrößten Mobilfunkanbieter in Deutschland. Drillisch und United Internet gingen leer aus.
"Spoerr ist ein schwieriger Kontrahent. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn und wird auch so behandelt", sagt ein Insider. Dass der Streit mit den Großaktionären derart eskalierte, daran sei der Freenet-Chef nicht unschuldig: "Spoerr scheut keine Auseinandersetzung bis ins Persönliche hinein, auch wenn das unternehmerisch manchmal nicht klug ist." Es falle ihm schwer, Macht im Unternehmen abzugeben oder zu delegieren: "Spoerr ist kein Teamplayer."
Umso mehr war der Freenet-Chef diese Woche durch die Gewinn- und Umsatzzahlen für Mai und April unter Druck geraten. Denn die fielen ziemlich schlecht aus. Am Donnerstag werden die Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.