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Merken   Drucken   06.08.2008, 20:31 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Im Spoerr-Feuer

Kaum ein IT-Manager ist so umstritten wie Eckhard Spoerr, Chef des Freenet-Konzerns. Auf der morgigen Hauptversammlung fordern zwei Großeigner seinen Kopf. Aber Spoerr hat schon häufig Steherqualitäten bewiesen. von Nicola de Paoli und Volker Müller
Freenet -Chef Eckhard Spoerr  kann austeilen, und diese Fähigkeit wird ihm am Freitag wieder einmal zugutekommen. Vor der Hauptversammlung in Hamburg stehen die Zeichen auf Sturm. Von einer bevorstehenden "Schlammschlacht", einem "Showdown" und einem geplanten Putsch gegen den Internetmanager ist die Rede. Denn die Freenet-Großaktionäre United Internet  und Drillisch  fühlen sich von Spoerr düpiert und wollen daher gleich den ganzen Freenet-Vorstand kippen. Ob ihnen das gelingt, ist völlig offen. Spoerr hat bereits in der Vergangenheit Steherqualitäten bewiesen - und bekam am Mittwoch überraschend Unterstützung.
"Wir stehen hinter dem Freenet-Vorstand mit seinem Vorsitzenden Eckhard Spoerr", teilten Betriebsräte und Mitarbeiter des Büdelsdorfers Mobilfunk- und Internetdienstleisters in einem offenen Brief mit. Die Beschäftigten forderten die zur Hauptversammlung eingeladenen Aktionäre auf, mit den Mitarbeitern zusammenzuhalten: "Wir sagen Nein zu den Zerschlagungsplänen von United Internet und Drillisch", heißt es in dem Brief, der in großformatigen Anzeigen in Tageszeitungen veröffentlicht wurde.
Freenet-Chef Eckhard Spoerr formte den drittgrößten ...   Freenet-Chef Eckhard Spoerr formte den drittgrößten Mobilfunkanbieter Deutschlands
Kaum war der Aufruf in der Welt, sorgte er bereits für Ärger. Keineswegs gebe die Anzeige die Meinung aller Mitarbeiter wieder, hieß es von Arbeitnehmerseite. Die Betriebsräte dreier Standorte hätten den Brief gar nicht unterschrieben. Nun wird gemutmaßt, dass die Spoerr-Befürworter unter den Anteilseignern doch nicht so zahlreich sind wie in den vergangenen Tagen berichtet. "Es geht nur darum, den kleinen, aber wichtigen Teil der Kleinanleger noch auf seine Seite zu ziehen", sagt ein Arbeitnehmervertreter.
Spoerr, Jahrgang 1968, hatte Drillisch und United Internet gegen sich aufgebracht, als er deren Pläne durchkreuzte, Freenet zu übernehmen und unter sich aufzuteilen. Dazu überraschte Spoerr seine beiden Großaktionäre mit der Ankündigung, Freenet werde den Wettbewerber Debitel kaufen. Auf diese Weise formte Spoerr den drittgrößten Mobilfunkanbieter in Deutschland. Drillisch und United Internet gingen leer aus.
"Spoerr ist ein schwieriger Kontrahent. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn und wird auch so behandelt", sagt ein Insider. Dass der Streit mit den Großaktionären derart eskalierte, daran sei der Freenet-Chef nicht unschuldig: "Spoerr scheut keine Auseinandersetzung bis ins Persönliche hinein, auch wenn das unternehmerisch manchmal nicht klug ist." Es falle ihm schwer, Macht im Unternehmen abzugeben oder zu delegieren: "Spoerr ist kein Teamplayer."
Umso mehr war der Freenet-Chef diese Woche durch die Gewinn- und Umsatzzahlen für Mai und April unter Druck geraten. Denn die fielen ziemlich schlecht aus. Am Donnerstag werden die Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht. Eine Trendwende ist nicht in Sicht.
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  • Aus der FTD vom 07.08.2008
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