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Merken   Drucken   05.02.2009, 21:17 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Irving Picard - Der Eintreiber

Irving Picard hat den größten Fall seiner Karriere an Land gezogen. Der Madoff-Insolvenzverwalter muss verschwundene Milliarden aufspüren - ein äußerst lukratives Geschäft für den ehemaligen SEC-Ermittler. von Sebastian Bräuer
Die meisten Rechtsanwälte sind in seinem Alter schon einige Zeit im Ruhestand. Aber Irving Picard, 67 Jahre alt, hat vor wenigen Wochen den Auftrag seines Lebens an Land gezogen. Er wickelt als Treuhänder das Investmentunternehmen von Bernard Madoff  ab.
Lange nachdenken musste Picard nicht: Nur vier Tage nach dem Auffliegen des Milliardenbetrügers nahm Picard die Mammutaufgabe an. Das Schneeballsystem Madoffs ist der wohl größte Betrug der Finanzgeschichte. Und jetzt damit auch eine der komplexesten Insolvenzen aller Zeiten.
Die Erwartungen an Picard sind immens: Die am Donnerstag veröffentlichte Liste der Kunden Madoffs ist 162 Seiten lang. Viele von ihnen hoffen, dass Picard einen Teil ihrer verschwundenen Anlagen sichert. Prominente Privatpersonen, gemeinnützige Stiftungen und deutsche Banken von der Commerzbank  bis zur inzwischen fusionierten Bayerischen Landesbank - alle stehen auf der Liste der Madoff-Kunden.
Madoff-Insolvenzverwalter Irving Picard   Madoff-Insolvenzverwalter Irving Picard
Es könnte fünf Jahre dauern, bis der Jurist den Auftrag erledigt hat, schätzen Beobachter. Aber Picard legt ein hohes Tempo vor: 950 Mio. $ hat er bereits sichergestellt. Sie sollten in "naher Zukunft" ausgezahlt werden, verspricht er.
Picards Zielstrebigkeit hat auch einen finanziellen Hintergrund: Er erhält nach der ersten Million bis zu drei Prozent der von ihm sichergestellten Konkursmasse. Darüber hinaus übernimmt seine Kanzlei sämtliche Verfahren, die Picard anstrengt - branchenüblich sind dabei hohe dreistellige Stundensätze.
Das pikante Konstrukt weckt Befürchtungen: Picard könnte zur Eintreibung der verschwundenen Milliarden unnötig viele juristische Schritte einleiten, sagte Lynn LoPucki der Agentur Bloomberg. Seine Warnung ist ernst zu nehmen: Der Juraprofessor ist auf Insolvenzen spezialisiert.
Picard hat schon bisher nicht schlecht verdient. Im Zuge der Abwicklung des 2003 kollabierten Unternehmens Park South Securities etwa erhielt der frühere Ermittler der Börsenaufsicht SEC bereits 1,05 Mio. $. Seine damalige Kanzlei kassierte überdies 2,8 Mio. $.
Und es gibt bereits einen Beleg, dass Picard seine Interessen vor Gericht unnachgiebig verfolgt. Diese Woche gelang es ihm, die Leasingverträge für mehrere Luxuskarossen aufzulösen, die zu Madoffs Reich gehörten. Damit spart er Kosten von mehr als 117.000 $ ein.
Aber einen ehemaligen Mitarbeiter des Betrügers ließ Picard eiskalt auflaufen. Craig Kugel, der in der Personalabteilung Madoffs arbeitete, hatte im Namen seines Chefs einen Leasingvertrag für einen Mercedes-Benz S550 unterschrieben. Picard weigerte sich, den Vertrag in die Konkursmasse aufzunehmen. Jetzt muss der ehemalige Madoff-Mitarbeiter noch 58.000 $ aus eigener Tasche bezahlen. Nach einem Gnadenakt war Picard nicht zumute.
14:54:08 Kursinformationen und Charts
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  • Aus der FTD vom 06.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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