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Merken   Drucken   16.04.2008, 21:02 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: John Paulson - Subprime-Krösus

Für die meisten Mitglieder der Finanzwelt war 2007 ein "Annus horribilis" - nicht so für John Paulson. Als einer der ganz wenigen Hedge-Fonds-Manager hatte der 52-Jährige frühzeitig auf fallende Preise am US-Immobilienmarkt gewettet. von Elisabeth Atzler
Der Lohn: ein Jahreseinkommen von 3,7 Mrd. $, wie das Fachmagazin "Alpha" am Mittwoch berichtete. Damit ließ Paulson  sogar George Soros (2,9 Mrd. $) hinter sich, jenen legendären Investor, der Anfang der 90er-Jahre mit spektakulären Wetten gegen das britische Pfund berühmt geworden war - und der, so heißt es, den Kollegen Paulson zuletzt gern mal zum Essen einlud, um sich dessen Strategien erklären zu lassen.
Rund 350 respektive fast 600 Prozent Rendite erzielte Paulson im vergangenen Jahr mit den beiden erfolgreichsten Produkten. Das Vermögen seines Fonds schnellte auf 28 Mrd. $. Seit Mitte 2006 hatte Paulson auf Leerverkäufe von Subprime-Hypotheken gesetzt und somit vom Preisverfall massiv profitiert. "Er hat es absolut fantastisch gemacht", sagt John Godden, Chef des Londoner Branchenbeobachters IGS.
John Paulson, Hedge-Fonds-Manager, hat im vergangenen Jahr fast 4 ...   John Paulson, Hedge-Fonds-Manager, hat im vergangenen Jahr fast 4 Mrd. Dollar verdient
In der Finanzwelt war Paulson schon vorher kein Unbekannter. 2005 beispielsweise sperrte sich sein Hedge-Fonds gegen Pläne des Finanzinvestors Blackstone , den Chemiekonzern Celanese  von der Börse zu nehmen. Erst nachdem Blackstone einen hohen Aufschlag zahlte, trat Paulson seine Celanese-Aktien ab. Ein Jahr später drang der Amerikaner mit Branchengenossen auf die Zerschlagung des niederländischen Handelskonzerns Ahold . Im vergangenen Sommer schließlich attackierte Paulson öffentlichkeitswirksam die Investmentbank Bear Stearns  und warf ihr vor, den Markt für Ramschhypotheken manipuliert zu haben.
Sein Handwerk hatte der gebürtige New Yorker in den 80er-Jahren bei der Investmentlegende Leon Levy und dessen Odyssey-Fonds gelernt. 1994 gründete Paulson schließlich seinen eigenen Hedge-Fonds, der mit einem Volumen von gerade mal 2 Mio. $ vor allem in Aktien von Konzernen investierte, die vor der Übernahme standen. Den Immobilienmarkt, so wird berichtet, entdeckte Paulson erst vor drei Jahren als lukrative Spielwiese. Im Gegensatz zu den allermeisten Bankern hatte ihn die jahrelange Hausse skeptisch gemacht.
Öffentlich zeigt sich Paulson praktisch nie, persönlich wird er als bescheiden beschrieben, so Godden. "Er gilt nicht als arrogant", sagt auch Jacob Schmidt, Gründer der Beraterfirma Schmidt Research Partners. Anders als viele andere Hedge-Fonds-Manager verzichtet Paulson auf aufgesetzte Lockerheit und trägt stattdessen Anzug und Krawatte. Die Kunst der Inszenierung versteht John Paulson freilich dennoch: Mitte Januar verkündete er, dass er als Berater für seinen Hedge-Fonds niemand Geringeren gewonnen hatte als den früheren US-Notenbank-Chef Alan Greenspan.
  • Aus der FTD vom 17.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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