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Merken   Drucken   02.04.2009, 20:07 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Julius Meinl V. - Abstieg eines Multimillionärs

Mit einer Kaffeerösterei begann der Aufstieg der Meinls aus Wien. Erbe Julius Meinl V. fokussierte das Imperium schnell auf Bankgeschäfte. Dubiose Deals bringen ihn nun zu Fall - und den ganzen Clan in Verruf. von Christian Höller
Er steht schon jetzt ganz oben auf der Liste der "100 bösesten Ösis", die jedes Jahr von der Wiener Zeitung "Falter" veröffentlicht wird. In der "Laudatio" der Redaktion auf den schillernden Multimillionär und Bankmanager Julius Meinl V. hieß es mit einem Augenzwinkern: "Seine Jachtausflüge mit föhnfrisierten Finanzministern" oder "kristallbehängten Bussi-Bussi-Babsis" haben die Österreicher ihm gerade noch verziehen.
Nun ist Schluss mit lustig. Am Mittwochabend ist der Chef der gleichnamigen Traditionsbank festgenommen worden. Meinl werden Anlagebetrug und Untreue im Zusammenhang mit der einstigen Immobilienfirma Meinl European Land vorgeworfen. Der 49-Jährige soll Zehntausende Anleger geprellt haben. Zum Verhängnis wurde dem Banker sein Privatjet. Seit die Behörden gegen ihn ermittelten, ließ er den Flieger stets vollgetankt am Wiener Flughafen stehen. Dadurch ergab sich für die Justiz akute Fluchtgefahr.
Am Donnerstagnachmittag kündigte die Staatsanwaltschaft an, den Verdächtigen gegen eine Kaution von 100 Mio. Euro freizulassen. Meinl muss seinen Reisepass abgeben, hat dem Gericht laufend über seinen jeweiligen Aufenthaltsort zu berichten. Meinl hatte die Anschuldigungen stets zurückgewiesen.
Dubiose Deals bringen Julius Meinl V. zu Fall   Dubiose Deals bringen Julius Meinl V. zu Fall
Mit dem Fall Meinl steht einer der bekanntesten Clans Österreichs am Rande des Abgrunds. "Die Marke ist identisch mit meinem Namen", sagte Meinl einst in einem Interview.
Die Meinls mischen seit 150 Jahren im Wiener Wirtschaftsleben mit. Der Aufstieg begann in der Zeit der Habsburger, als Julius I. (Ururgroßvater von Julius V.) eine Kaffeerösterei in der Wiener Innenstadt eröffnete. Der Meinl-Mohr - ein schwarzer Kinderkopf mit rotem Fes auf gelbem Grund - wurde schnell zum Markenzeichen des Clans. In der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie stieg Meinl mit 1200 Geschäften und 63 Fabriken zum größten Lebensmittelkonzern auf.
Als Julius Meinl V. das Ruder übernimmt, baut er das Imperium radikal um. Für das Lebensmittelgeschäft hat er nichts übrig, er verkauft es an die Rivalen Rewe und Edeka. Übrig bleibt ein nobler Delikatessensupermarkt in der Wiener Innenstadt. Mit Ausnahme von kleineren Aktivitäten im Kaffee- und Konfitürenbereich konzentriert sich Meinl V. in erster Linie auf den Ausbau des Bankgeschäfts. Zur Spezialität werden schnell Engagements in Steueroasen. Viele Meinl-Firmen wie die umstrittene Immobiliengesellschaft MEL haben ihren Sitz auf der britischen Kanalinsel Jersey, wo es weniger strenge Offenlegungspflichten gibt als in Österreich.
Der öffentlichkeitsscheue Banker verfügt über gute Kontakte zur Politik. Als der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser einen neuen Job suchte, bekam er einen Managementposten bei der Gesellschaft Meinl Power. In die Schlagzeilen war Meinl zuletzt geraten, weil er Grasser und Wolfgang Flöttl, eine Zentralfigur im Skandal um die ehemalige Gewerkschaftsbank Bawag, zum Jachtausflug einlud. Auch Grasser und Flöttl haben sich einen Platz in der "Best of Böse"-Liste gesichert.
  • Aus der FTD vom 03.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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