Opel-Betriebsratschef Klaus Franz: "Opel ist ein Unternehmen, das lebt"
Dabei ist Franz, der 25.600 Opel-Beschäftigte in Deutschland vertritt, in der Sache hart. Im Jahr 2005 konnte er dem Konzern den Kompromiss abringen, den Abbau von 9000 Stellen bei Opel ohne betriebsbedingte Kündigungen zu vollziehen. Vor Konfrontationen mit dem US-Management schreckt er nicht zurück. In der Gewerkschaft bleibt er dennoch ein Exot. Das beinahe obligatorische Parteibuch der Sozialdemokraten lehnt er ab - selbst als auf einem Gewerkschaftstag der IG Metall Willy Brandt ihn für die SPD gewinnen will. Bis heute ist Franz keiner Partei beigetreten, auch wenn er sich den Grünen verbunden fühlt.
Die Gewerkschaft, mahnt er einmal, dürfe nicht den Anspruch erheben, die "Avantgarde des Proletariats" zu sein. Franz sieht sich nicht als ideologisch geprägter Klassenkämpfer, er will mithilfe der Belegschaft seinen Teil zur Gesundung des Unternehmens beitragen.
Franz hat fast sein gesamtes Berufsleben bei Opel verbracht. 1975 kommt er nach einer Lehre zum Drogisten als Autolackierer zu den Rüsselsheimern. 1981 wird er in den Betriebsrat gewählt. Seit 2000 führt er den Gesamtbetriebsrat, zugleich ist er Vize-Aufsichtsratschef.
Beim großen Metallarbeiterstreik 1984 steht Franz als Streikposten tapfer in der ersten Reihe. Ein schmächtiger, junger Mann, dem der IG-Metall-Helm viel zu groß ist. Jetzt steht Franz wieder ganz vorn. Zusammen mit der Opel-Spitze muss er die Kanzlerin von einer Milliardenbürgschaft überzeugen.
Auf der Überholspur läuft es ganz gut für ihn - besonders seit Kurzem. Da bekam er unlängst bewundernde Signale von Audi- und BMW-Fahrern. Die galten zwar weniger Franz als vielmehr dem neuen Insignia, in dem er saß. Aber so etwas habe er in anderen Opel-Limousinen noch nie erlebt, sagte er. Jens Brambusch