FTD.de » Management + Karriere » Who's who » Klaus Franz - Betriebsrat am Steuer

Merken   Drucken   17.11.2008, 20:52 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Klaus Franz - Betriebsrat am Steuer

Betriebsratschef Klaus Franz gilt als der heimliche Strippenzieher bei Opel. Jetzt steht der 56-Jährige vor seiner größten Aufgabe: Er will der Bundesregierung eine Bürgschaft in Milliardenhöhe abringen.
Sekunden verrinnen. Stille im ARD-Studio. Klaus Franz  wiederholt die Frage der Moderation, als habe er sie falsch verstanden. "Wie aussichtslos?", hakt er nach. Anne Will scheint irritiert. "Weil die Zahlen, die wir da hören ...", stammelt sie, da fällt der Opel-Betriebsratschef ihr ins Wort. "Überhaupt nicht", sagt er in leicht schwäbischem Singsang und dehnt das "über" von "überhaupt nicht" in die Länge. "Opel ist ein Unternehmen, das lebt", klärt er die Moderatorin unaufgeregt auf.
Für einen Betriebsratschef, der um seinen Konzern bangt, wirkt Franz sehr ruhig. Weder hält er Brandreden, noch hetzt er gegen den Vorstand. Vielmehr lobt er in bester Managermanier die schöne Welt der Opelianer, die zukunftsgerechte Produktpalette und den neuen Insignia, der natürlich Maßstäbe setzt.
Tatsächlich gilt der Mann mit dem Schnauzbart und der kleinen runden Brille vielen als der heimliche Herrscher des Konzerns. Wegen der häufig wechselnden Manager ist Franz inzwischen so etwas wie das Gesicht des Unternehmens geworden. Die guten Kontakte, die der 56-Jährige zur Führung hält, sind einigen in der Belegschaft allerdings ein Dorn im Auge. Den "Co-Manager von der Arbeitnehmerbank" nennen sie ihn spöttisch.
Opel-Betriebsratschef Klaus Franz: "Opel ist ein Unternehmen, ...   Opel-Betriebsratschef Klaus Franz: "Opel ist ein Unternehmen, das lebt"
Dabei ist Franz, der 25.600 Opel-Beschäftigte in Deutschland vertritt, in der Sache hart. Im Jahr 2005 konnte er dem Konzern den Kompromiss abringen, den Abbau von 9000 Stellen bei Opel ohne betriebsbedingte Kündigungen zu vollziehen. Vor Konfrontationen mit dem US-Management schreckt er nicht zurück. In der Gewerkschaft bleibt er dennoch ein Exot. Das beinahe obligatorische Parteibuch der Sozialdemokraten lehnt er ab - selbst als auf einem Gewerkschaftstag der IG Metall Willy Brandt ihn für die SPD gewinnen will. Bis heute ist Franz keiner Partei beigetreten, auch wenn er sich den Grünen verbunden fühlt.
Die Gewerkschaft, mahnt er einmal, dürfe nicht den Anspruch erheben, die "Avantgarde des Proletariats" zu sein. Franz sieht sich nicht als ideologisch geprägter Klassenkämpfer, er will mithilfe der Belegschaft seinen Teil zur Gesundung des Unternehmens beitragen.
Franz hat fast sein gesamtes Berufsleben bei Opel verbracht. 1975 kommt er nach einer Lehre zum Drogisten als Autolackierer zu den Rüsselsheimern. 1981 wird er in den Betriebsrat gewählt. Seit 2000 führt er den Gesamtbetriebsrat, zugleich ist er Vize-Aufsichtsratschef.
Beim großen Metallarbeiterstreik 1984 steht Franz als Streikposten tapfer in der ersten Reihe. Ein schmächtiger, junger Mann, dem der IG-Metall-Helm viel zu groß ist. Jetzt steht Franz wieder ganz vorn. Zusammen mit der Opel-Spitze muss er die Kanzlerin von einer Milliardenbürgschaft überzeugen.
Auf der Überholspur läuft es ganz gut für ihn - besonders seit Kurzem. Da bekam er unlängst bewundernde Signale von Audi- und BMW-Fahrern. Die galten zwar weniger Franz als vielmehr dem neuen Insignia, in dem er saß. Aber so etwas habe er in anderen Opel-Limousinen noch nie erlebt, sagte er. Jens Brambusch
  • Aus der FTD vom 18.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote