Karamanlis' Entscheidungsschwäche ist in Griechenland häufig Gesprächsthema
Das lag auch daran, dass die Griechen einem Mann, der keinerlei Ehrgeiz ausstrahlt, auch keine Gaunereien zutrauen. Von den Korruptionsvorwürfen, die viele Mitglieder seiner Regierung zu Fall brachten, blieb Karamanlis völlig unberührt. Über derartige Verdächtigungen erhebt ihn schon sein Name, der ihn fast automatisch für hohe politische Posten qualifiziert. So ist es keine Legende, dass ihn die ND-Partei nach ihrer Wahlniederlage von 1996 nur deshalb zum Parteivorsitzenden wählte, weil er als Neffe des legendären Patriarchen Konstantinos Karamanlis einen mutmachenden und vertrauenerweckenden Namen trägt. Zwar wurde der promovierte Jurist deshalb anfangs von vielen unterschätzt. Doch seit seinem Wahlsieg von 2004 war er nicht mehr "der Neffe", sondern der große Hoffnungsträger der Konservativen, der die Partei erfolgreich in der politischen Mitte verortet.
Die flächendeckenden Waldbrände vom Sommer 2007, bei denen Karamanlis wieder den Zauderer gab, erwiesen sich im Rückblick als der Anfang vom Ende einer fast mühelos erscheinenden Karriere. Zwar konnte er die Wahlen im September noch knapp gewinnen. Aber seine Partei verfügt im Parlament nur noch über eine hauchdünne absolute Mehrheit. Das paralysiert die Regierung, die damit von jedem einzelnen Abgeordneten erpressbar ist.