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Merken   Drucken   10.05.2009, 20:14 Schriftgröße: AAA

Kopf desTages: Kovacevich, der Outlaw-Banker

Die Zeiten, da Banker den Staat verteufeln durften, sind vorbei? Nein. Dick Kovacevich, Chairman von Wells Fargo, nannte den Stresstest "idiotisch" - und stellt offen das Resultat der Belastungsprobe infrage. von Heinz-Roger Dohms
Es ist eine Szene wie im Mafiafilm, wird einer der Augenzeugen später berichten. Man schreibt den 13. Oktober 2008, Washington, 15 Uhr Ortszeit. US-Finanzminister Hank Paulson hat die neun wichtigsten Bankenchefs des Landes in sein Büro (Mahagonisessel, Kristallleuchter) geladen. Paulsons Ansage: Die Regierung wird sich bei den Instituten einkaufen. Keiner der Manager wagt zu widersprechen - außer Dick Kovacevich , Chairman von Wells Fargo . Er hält die Kapitaldecke seines Instituts für ausreichend und setzt zur Gegenrede an. Woraufhin sich Paulson wie der Pate persönlich geriert, glaubt man der jüngsten Ausgabe des US-Magazins "Fortune": "Morgen wird sich die Kontrollbehörde bei Ihnen melden und mitteilen, dass Sie unterkapitalisiert sind." Nun fügt sich auch Kovacevich.
Es ist dieses Treffen, das Kovacevichs Ruf begründet: Während sich die übrige Finanzwelt Washington bedingungslos unterwirft, stellt der Westküstler das Krisenmanagement der Regierung offen infrage. Als die Obama-Administration vor Wochen ankündigt, die 19 größten US-Banken sogenannten Stresstests zu unterziehen, nennt Kovacevich das Vorhaben "idiotisch". Und nun, da die Resultate der Belastungsprobe vorliegen und für Wells Fargo einen Kapitalbedarf von 13,7 Mrd. $ ausweisen, bläst der 65-Jährige erneut aus zur Offensive: Das Ergebnis des Stresstest beruhe auf "extrem konservativen Annahmen", was die Gewinnaussichten seines Instituts betreffe.
Richard Kovacevich, Chairman von Wells Fargo & Co   Richard Kovacevich, Chairman von Wells Fargo & Co
Ist Kovacevich im Recht? Oder attackiert da einer den Staat, um auf diese Weise von seinen eigenen Fehlern abzulenken? Fest steht: In der Rolle des Widerparts hat sich der Stanford-Absolvent schon immer gefallen - auch wenn sein eigentliches Feindbild nicht Washington heißt, sondern Wall Street. 1986 verlässt Kovacevich Citicorp, die spätere Citigroup . Stattdessen heuert er bei einer kleinen Bank namens Norwest in Minnesota an, die er später mit dem in San Francisco ansässigen Regionalinstitut Wells Fargo verschmilzt.
Während die Wall Street Kasino spielt, konzentriert sich Wells Fargo auf Privat- und kleine Geschäftskunden. Den Subprime-Hype? Macht Kovacevich nicht mit, nimmt in Kauf, dass sein Institut im Hypothekengeschäft riesige Marktanteile verliert.
Als die Finanzkrise kommt, sieht sich Kovacevich bestätigt. Er will das Debakel nutzen, um sein Institut im ganzen Land zu etablieren. Ende 2008 kauft Wells Fargo Wachovia, steigt zur zweitgrößten US-Bank auf. Kovacevich wähnt sich am Ziel. Doch die Investoren strafen sein Institut ab, die Aktie bricht ein.
Warum? Weil der Staat Wells Fargo in Mithaftung genommen hat, um die Wall Street zu retten? Das ist Kovacevichs Lesart. Oder weil das Kreditportfolio von Wells Fargo brüchiger ist als gedacht und der Wachovia-Kauf große Risiken birgt? So sehen das seine Kritiker.
Am Wochenende hat Kovacevich angekündigt, dass er die 25 Mrd. $, die ihm Pate Paulson im Herbst aufgenötigt hat, bald zurückzahlen will.
16:54:29 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Wells Fargo 31,86 USD   +0,16%  0.05
  • Aus der FTD vom 11.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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