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Merken   Drucken   17.05.2009, 19:12 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Leonhard Birnbaum - Grün vor Freude

Schon mit 32 Jahren wird Leonhard Birnbaum Partner bei McKinsey. Seit Oktober 2008 führt er das Strategieressort von RWE. Sein erster Leistungsausweis: Die Milliardenübernahme von Essent. Nächstes Ziel: RWE grüner machen. von Sven Becker
Rhyl Flats, Offshore-Windpark, viereinhalb Meilen vor der Küste von Wales: Der Wind tobt, meterhohe Wellen klatschen an die Bordwand der "Fast Cat". Das kleine Schiff wackelt bedrohlich, einige Passagiere hängen an der Reling - nur einer sitzt seelenruhig an Deck und lächelt: Leonhard Birnbaum , Strategievorstand bei RWE , stämmiger Typ, Bürstenhaarschnitt: "Ich liebe Baustellenbesichtigungen", sagt Birnbaum und zeigt auf eines der 25 Windräder, die der Konzern hier in den Meeresboden rammt. Noch in diesem Jahr soll Rhyl Flats 60.000 britische Haushalte mit Ökostrom versorgen.
Birnbaums gute Laune ist an diesem Tag schon kaum zu steigern. Kurz vor der turbulenten Reise erhält er die Nachricht, dass das Parlament von Nordbrabant seinen Anteil am Stromkonzern Essent an RWE verkaufen will. RWE ist damit dem Ziel, das holländische Unternehmen für 9,3 Mrd. Euro zu übernehmen, näher gekommen. Die abschließende Entscheidung liegt beim Landeskabinett, das am Dienstag tagt.
RWE-Strategievorstand Leonhard Birnbaum   RWE-Strategievorstand Leonhard Birnbaum
Essent ist Birnbaums Deal - mit über hundert Leuten hatte er sich zuletzt im Essent-Hochhaus in Arnheim auf einer ganzen Etage eingemietet, um die Übernahme zu steuern. Zufrieden? "Der Dank gilt meinen Leuten", sagt Birnbaum. "Sie machen die ganze Arbeit. Ich entscheide am Ende nur, ob es links oder rechts langgeht."
Trotzdem: Die Übernahme war die erste große Bewährungsprobe für den 42-Jährigen. Erst im April 2008 war der Ex-McKinsey-Berater zu RWE gekommen. Am 1.Oktober löste er Berthold Bonekamp als Strategiechef ab. Die Personalie galt intern als umstritten: Bonekamp war Anhänger der dezentralen Konzernstruktur, während Birnbaum die Spitze stärken will. "Es brodelt ganz schön", hieß es damals aus Unternehmenskreisen.
Der Hobbykletterer Birnbaum kann jedoch mit Druck umgehen: Mit 32 Jahren war er bereits Partner bei McKinsey. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als RWE-Vorstand gab Birnbaum sofort die Marschroute vor: "Der Feind ist draußen, und dort müssen wir ihn besiegen", sagte er im Dezember.
Das dürfte im Sinne seines Chefs Jürgen Großmann  gewesen sein, der die Expansionspläne vorantreibt. Zudem braucht Großmann dringend junge Leute, die den Imagewandel vom Klimasünder RWE zum grünen Versorger verkörpern.
Ob Birnbaum dafür der Richtige ist, muss sich noch zeigen. Während zunächst die Expansion in Osteuropa - einschließlich Kernkraft - als Strategie zur Minderung von Treibhausgasen stärker im Vordergrund stand, rückte Birnbaum die erneuerbaren Energien zuletzt stärker in den Mittelpunkt.
Da kommt dem Strategiechef die Besichtigungsfahrt zu den Windrädern gerade recht. Auch wenn er dafür einiges in Kauf nehmen muss: Auf der Rückfahrt zum Hafen ist sein Gesicht grün angelaufen. Eigentlich werde er schnell seekrank, räumt Birnbaum ein. Sein Rezept: "Konzentration! Und den Blick immer auf den Horizont richten."
23:44:59 Kursinformationen und Charts
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RWE 31,635 EUR   -1,43%  -0.46
  • Aus der FTD vom 18.05.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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