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Merken   Drucken   07.12.2008, 19:14 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Manfred Gentz - Der Fragensteller

Der ehemalige Finanzvorstand von DaimlerChrysler, Manfred Gentz, soll Aufsichtsratschef der Deutschen Börse werden. Ein Posten, der seinen Vorgängern stets mehr Ärger als Ruhm eingebracht hat. von Meike Schreiber und Sven Clausen
Wenn die Aufsichtsräte der Deutschen Börse  am Montag einmal mehr über transatlantische Fusionen diskutieren, kann Manfred Gentz  seinen ganzen Erfahrungsschatz mit einbringen. Als ehemaliger Finanzvorstand von DaimlerChrysler weiß der 66-Jährige, dass nach einer "Hochzeit im Himmel" oft der triste Ehealltag und nicht selten eine schmutzige Scheidung droht. Bei Daimler galt er als einer, der oft dagegen war: gegen die Fusion mit Chrysler, gegen die Beteiligung an Mitsubishi , gegen den Smart. Als er den Stuttgarter Konzern 2004 verließ, verlor Vorstandschef Jürgen Schrempp seinen größten Kritiker.
Größere Bedenken hatte Gentz zunächst auch gegen ein Spitzenmandat der deutschen Wirtschaft. Er sei ausgelastet, hatte der promovierte Jurist mit dem weißen Haar und der runden Brille wissen lassen, als ihm der Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Börse angetragen wurde. Mittlerweile denkt er anders: Am Montag soll Gentz zum Chefkontrolleur des Dax -Konzerns gewählt werden - als Nachfolger von Kurt Viermetz, der auf Aktionärsdruck zurücktreten musste.
Gentz' Zaudern ist kein Wunder: Schließlich sitzt er seit 2004 im Aufsichtsrat und wurde Zeuge, was ein Vorsitzender alles einstecken muss: Damals stiegen die Hedge-Fonds TCI und Atticus bei der Börse ein, verhinderten die Übernahme der London Stock Exchange  durch den Dax-Konzern und entmachteten nicht nur Vorstandschef Werner Seifert, sondern auch seinen mächtigen Oberaufseher Rolf Breuer.
Manfred Gentz soll seinen Erfahrungsschatz in die ...   Manfred Gentz soll seinen Erfahrungsschatz in die Fusionsbemühungen der Deutschen Börse einbringen
Dabei muss die Furcht vor TCI und Atticus heute längst nicht mehr so groß sein wie damals. Beide Fonds haben in der Krise heftige Verluste erlitten; ihre Manager werden nun selbst von den Investoren unter Druck gesetzt. Gut möglich aber, dass die Fonds den Druck weitergeben. Es heißt, sie hätten einen Kandidaten von außen bevorzugt.
Eine Megafusion von Deutscher Börse, New York Stock Exchange (NYSE) und Euronext  käme ihnen nicht ungelegen: Es böte sich eine Verkaufsmöglichkeit für ihre Aktien. Nun sind die Gespräche für eine "Börsenhochzeit im Himmel" zwar erst einmal gescheitert - diskutiert werden wird jedoch weiter.
Nach Einschätzung der Aufsichtsräte hat Gentz zwar keine besonders fundierte Kenntnis von Börsen oder gar Handelssystemen. Ihn qualifiziere aber sein großer Rückhalt in der Unternehmens- und Bankenwelt sowie in der Politik. "Wie er als Verhandlungsführer der deutschen Wirtschaft die Entschädigung der jüdischen Zwangsarbeiter organisiert hat, hat ihm hohes Renommee eingebracht, auch in der angelsächsischen Welt", sagt ein Aufsichtsratsmitglied. Das sei wichtig, weil die Börse hauptsächlich angelsächsische Aktionäre habe. Zudem sei jede Kombination mit der NYSE auch eine politische Frage. Im Aufsichtsrat ist er bislang vor allem als Verfechter einer scharfen Corporate Governance aufgetreten. "Während sich Viermetz eher als Berater des Vorstands versteht, versteht sich Gentz stärker noch als Kontrolleur des Managements", heißt es.
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  • Aus der FTD vom 08.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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