Manfred Gentz soll seinen Erfahrungsschatz in die Fusionsbemühungen der Deutschen Börse einbringen
Dabei muss die Furcht vor TCI und Atticus heute längst nicht mehr so groß sein wie damals. Beide Fonds haben in der Krise heftige Verluste erlitten; ihre Manager werden nun selbst von den Investoren unter Druck gesetzt. Gut möglich aber, dass die Fonds den Druck weitergeben. Es heißt, sie hätten einen Kandidaten von außen bevorzugt.
Eine Megafusion von Deutscher Börse, New York Stock Exchange (NYSE) und
Euronext käme ihnen nicht ungelegen: Es böte sich eine Verkaufsmöglichkeit für ihre Aktien. Nun sind die Gespräche für eine "Börsenhochzeit im Himmel" zwar erst einmal gescheitert - diskutiert werden wird jedoch weiter.
Nach Einschätzung der Aufsichtsräte hat Gentz zwar keine besonders fundierte Kenntnis von Börsen oder gar Handelssystemen. Ihn qualifiziere aber sein großer Rückhalt in der Unternehmens- und Bankenwelt sowie in der Politik. "Wie er als Verhandlungsführer der deutschen Wirtschaft die Entschädigung der jüdischen Zwangsarbeiter organisiert hat, hat ihm hohes Renommee eingebracht, auch in der angelsächsischen Welt", sagt ein Aufsichtsratsmitglied. Das sei wichtig, weil die Börse hauptsächlich angelsächsische Aktionäre habe. Zudem sei jede Kombination mit der NYSE auch eine politische Frage. Im Aufsichtsrat ist er bislang vor allem als Verfechter einer scharfen Corporate Governance aufgetreten. "Während sich Viermetz eher als Berater des Vorstands versteht, versteht sich Gentz stärker noch als Kontrolleur des Managements", heißt es.