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Merken   Drucken   01.07.2008, 20:15 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Markus Mosa will mehr Netto für Plus

Dossier Er soll der drittgrößte Discounter nach den übermächtigen Konkurrenten Aldi und Lidl werden: An der Verschmelzung von netto und Plus muss sich Edeka-Chef Mosa beweisen - und das ohne allzuviel Selbstdarstellung. von Katja Wilke
Still und zurückhaltend ist Markus Mosa, als er Anfang Mai seinen ersten Auftritt als neuer Edeka-Chef bei einer Tagung von selbstständigen Edeka-Händlern in Freiburg hat. Oder besser: absolviert. Mit sparsamster Gestik und äußerst nüchterner Rhetorik spult er seinen Vortrag zur Zukunft Edekas ab. Der 40-Jährige versucht erst gar nicht, seinem Vorgänger nachzueifern. Fünf Jahre herrschte zuvor Alfons Frenk über den Hamburger Handelskonzern. Ein Meister der Selbstdarstellung: laut, impulsiv, manchmal unberechenbar und immer machtbewusst.
Und nun also Mosa . Machtbewusst ist der auch. Und auch wenn der Newcomer in der Öffentlichkeit eher die leisen Töne anschlägt: Im kleinen Kreis argumentiert er äußerst bestimmt und trennscharf.
Eine klare Linie wird er in der nächsten Zeit auch brauchen. Denn Frenk hat ihm eine Aufgabe hinterlassen, die in ihrem Ausmaß einmalig ist im deutschen Einzelhandel: die Zusammenlegung von Edekas Discounttochter Netto und dem Tengelmann-Discounter Plus, die das Bundeskartellamt am Dienstag genehmigte. Die Fusion, durch die Deutschlands drittgrößter Discounter nach Aldi und Lidl entsteht, ist Mosas große Chance, sich zu profilieren. Schafft der Betriebswirt das nicht, könnte es eng werden. Zwar hat Frenk den Deal eingefädelt und begleitet Mosa auch jetzt noch als Berater, aber messen lassen muss sich der neue Edeka-Chef am Ende an den Ergebnissen.
Der neue Edeka-Chef Markus Mosa muss den drittgrößten deutschen ...   Der neue Edeka-Chef Markus Mosa muss den drittgrößten deutschen Discounter schmieden
Mosa, der vor seinem Amtsantritt ein Jahr lang das Ressort Finanzen und Beteiligungen leitete, muss beide Unternehmenskulturen verschmelzen. In 18 Monaten sollen 1750 der 2500 Plus-Filialen, die Edeka übernimmt, auf das Netto-Konzept umgestellt werden, die restlichen 750 Filialen sollen weiter unter Plus firmieren.
Der Vater zweier Töchter wird Fingerspitzengefühl brauchen. Einige Netto-Manager, berichtet ein Insider, sind kurz nach der Verkündung des Zusammenschlusses "wie die Axt im Wald" bei Plus vorstellig geworden. Arrogant und herrisch seien sie aufgetreten. Eine Riege von Topmanagern verließ Plus daraufhin in den vergangenen Monaten. Regelrecht personell ausgeblutet sei das Unternehmen, heißt es in der Branche. Dass Mosa die Lücken füllen und die schlechte Stimmung rasch wieder verbessern kann, bezweifeln Experten. Als sensibler Integrator ist er bislang zumindest noch nicht aufgefallen.
Zudem ist Plus zuletzt Absatz weggebrochen - was den Langmut nicht gerade steigert. Zahlenmensch Mosa kennt sich immerhin als früherer Netto-Chef bestens im Discountmarkt aus. Gleichzeitig muss er allerdings den selbstständigen Edeka-Händlern beweisen, dass er deren Belange nicht aus den Augen verliert. Nicht wenige selbstständige Händler bezweifeln, dass der Ausbau der Discountsparte der richtige Weg für Edeka ist. Kleiner Trost für Mosa: Auch Frenk war unter den Händlern umstritten.
  • Aus der FTD vom 02.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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