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Merken   Drucken   18.12.2008, 22:07 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Mary Schapiro - Eine von ihnen

Seit Jahrzehnten gehört sie zum Establishment der amerikanischen Aufsichtsbehörden. Nun rückt Mary Schapiro an die Spitze der zuletzt arg gescholtenen SEC. Schon macht sich an ihrer Wahl Kritik breit. von Sebastian Bräuer
Seit Donnerstag hat Barack Obama  eine Gemeinsamkeit mit seinem Vorgänger Ronald Reagan. Der designierte US-Präsident, der sich im Wahlkampf den Wandel auf die Fahnen geschrieben hatte, ernannte Mary Schapiro als Chefin der US-Börsenaufsicht SEC. Schapiro, die kein Parteibuch hat, wurde bereits 1988 von dem republikanischen Hardliner in den Führungszirkel der SEC berufen.
Obama reagierte mit Schapiros Ernennung umgehend auf das Eingeständnis ihres Vorgängers Christopher Cox . Der hatte eingeräumt, dass seine Behörde bei der Kontrolle des mutmaßlichen Milliardenbetrügers Bernard Madoff  versagt hatte. "Dieses Versagen können wir uns nicht leisten", schmetterte der sonst für seine zurückhaltende Wortwahl bekannte Obama. Schapiro werde sicherstellen, dass ein solcher Betrug nicht noch einmal passieren werde. Obama präsentierte die 53-Jährige als Hoffnungsträgerin des angeschlagenen Finanzsystems nach dem vielleicht größten Betrugsfall aller Zeiten - eine schwere Hypothek für Schapiro.
Mary Schapiro, die neue Chefin der US-Börsenaufsicht SEC   Mary Schapiro, die neue Chefin der US-Börsenaufsicht SEC
Alte Bekannte
Die erste Frau an der Spitze der SEC ist keine Unbekannte. Die beiden Nachfolger Reagans, George Bush senior und Bill Clinton , bestätigten sie als SEC-Kommissarin. Im Jahr 1994 wechselte Schapiro an die Spitze der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), bevor sie die interne Regulierung bei der New York Stock Exchange übernahm. Zuletzt leitete Schapiro, die einen Doktortitel mit Auszeichnung der George Washington University besitzt, die Financial Industry Regulatory Authority (FINRA), die fusionierte interne Kontrolle der NYSE und der Technologiebörse Nasdaq. Kurzum: Schapiro gehört seit 20 Jahren zum Establishment der amerikanischen Regulierer. Und jetzt übernimmt sie den Chefposten bei der SEC - also der Behörde, der nicht erst seit dem Madoff-Skandal eine zu große Nähe zur Wall Street vorgeworfen wird. Kein Wunder, dass ihre Wahl auf geteilte Reaktionen stößt.
Robert Banks vom Anwaltsverein Public Investors Arbitration Bar Association etwa kritisiert die Entscheidung. Das gesamte System müsse erneuert werden, sagte er dem "Wall Street Journal". "Die Regierung muss Regulierung ernst nehmen." Die Kritik, dass Obama nicht entschlossener reformiere, sei berechtigt, sagt auch der ehemalige SEC-Ermittler Robert Heim. Dennoch sei sie eine gute Wahl. "Als FINRA-Chefin hat sich Schapiro den Ruf erarbeitet, aggressiv vorzugehen und Vorschriften durchzusetzen", sagt er. Sie sei der scharfe Aufpasser, den die durch den Wall-Street-Kollaps und den Madoff-Skandal angeschlagene SEC jetzt brauche, um ihre Reputation wiederherzustellen.
Der sofort geäußerte Vorwurf, dass Schapiro von Obama nur aus dem Hut gezaubert wurde, um über Nacht auf die Bankrotterklärung ihres Vorgängers Cox zu reagieren, ist dabei nicht stichhaltig. Obama traf sich schon vor mehreren Tagen in Chicago mit Schapiro. Am Dienstag stand die Personalie bei einer Besprechung von Obamas Wirtschaftsberatern auf der Agenda.
  • Aus der FTD vom 19.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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