BayernLB-Chef Michael Kemmer
Dabei bewertet Kemmer die Zukunft der BayernLB noch im August verhalten optimistisch. Er, der auf Fragen von Journalisten immer geduldig, ohne Ausflüchte und stets in bayerischem Dialekt antwortet, sagt da noch: "Wir sind noch nicht ganz über den Berg, aber wir spüren wieder festeren Boden unter den Füßen." Doch danach gehen die Märkte, angestachelt durch die Pleite von Lehman Brothers, erst richtig in die Knie - und die BayernLB mit ihnen.
Die Bank hatte sich milliardenschwer in US-Ramschhypotheken sowie anderen riskanten Wertpapieren engagiert. Dafür trägt auch Kemmer eine Mitverantwortung - die der promovierte Betriebswirt und Steuerberater nie bestritten hat.
Er ist zwar erst seit Februar Chef der Bank, nachdem sein Vorgänger Werner Schmidt wegen der katastrophalen Kommunikation der Bankprobleme zurückgetreten war. Doch Kemmer ist bereits seit Juni 2006 im Vorstand der BayernLB und verantwortete das Ressort Finanzen. Zuvor war er bei der HypoVereinsbank tätig, zuletzt als Risikovorstand. "Für geschäftspolitische Entscheidungen ist das Vorstandsgremium gesamtverantwortlich", verteidigt Kemmer seinen Vorgänger im April.
Damals betont er auch, dass er sich für eine offene, transparente Kommunikationspolitik einsetzen will. Von Politikern und Sparkassenvertretern muss er sich nun aber vorhalten lassen, dass er die gigantischen neuen Löcher bei der BayernLB in den vergangenen Wochen verschwiegen hat.
Kemmer stehen harte Zeiten bevor. Er muss die Bank neu ausrichten, Mitarbeiter motivieren - und auch ganz persönlich Einschnitte in Kauf nehmen. Als Gegenleistung für die Rettung der Bank verlangt die Bundesregierung, dass die Managergehälter auf maximal 500.000 Euro gekürzt werden. Kemmer dürfte derzeit gut das Dreifache verdienen. Allerdings wirkt er nicht wie einer, der nicht auch mit 500.000 Euro gut zurechtkommen würde.