FTD.de » Management + Karriere » Who's who » Michael Kemmer - Der 500.000-Euro-Mann

Merken   Drucken   21.10.2008, 20:42 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Michael Kemmer - Der 500.000-Euro-Mann

Um diesen Job beneidet ihn niemand: Als Chef der BayernLB muss Michael Kemmer Bankeigner und Bundesregierung um Kapital bitten. Damit ist er auch der erste Landesbankchef mit gekürztem Gehalt. von Nina Luttmer
Michael Kemmer  tut vielen in der Finanzbranche leid. Denn der Mann aus dem bayerischen Nördlingen ist unter seinen Kollegen sehr beliebt. Er gilt als sympathisch, zugänglich und bodenständig - Chefallüren sind ihm im Gegensatz zu manch anderem Bankmanager fremd. Schadenfreude empfindet daher kaum jemand darüber, dass der 51-Jährige mit seiner Bank, der BayernLB, in einer schlimmen Lage steckt.
Am Dienstagabend um 18 Uhr will der hochgewachsene Bankchef in der Konzernzentrale in München vor die Presse treten. Dort soll er erklären, wie schlimm es um seine Bank steht. Doch die Pressekonferenz verzögert sich. Kemmer muss sich länger als erwartet den Fragen seines Verwaltungsrats stellen.
Um halb neun dann tritt er vor die Mikrofone. Und muss gestehen: Es ist alles noch viel schlimmer als gedacht. Die Bank braucht 6,4 Mrd. Euro frisches Eigenkapital. 5,4 Mrd. Euro davon will sie aus dem Rettungsfonds der Bundesregierung beziehen, 1 Mrd. Euro werden die Eigner der Bank, das Land Bayern und die bayerischen Sparkassen, der Bank zuschießen. Der Jahresverlust werde bei 3 Mrd. Euro liegen.
BayernLB-Chef Michael Kemmer   BayernLB-Chef Michael Kemmer
Dabei bewertet Kemmer die Zukunft der BayernLB noch im August verhalten optimistisch. Er, der auf Fragen von Journalisten immer geduldig, ohne Ausflüchte und stets in bayerischem Dialekt antwortet, sagt da noch: "Wir sind noch nicht ganz über den Berg, aber wir spüren wieder festeren Boden unter den Füßen." Doch danach gehen die Märkte, angestachelt durch die Pleite von Lehman Brothers, erst richtig in die Knie - und die BayernLB mit ihnen.
Die Bank hatte sich milliardenschwer in US-Ramschhypotheken sowie anderen riskanten Wertpapieren engagiert. Dafür trägt auch Kemmer eine Mitverantwortung - die der promovierte Betriebswirt und Steuerberater nie bestritten hat.
Er ist zwar erst seit Februar Chef der Bank, nachdem sein Vorgänger Werner Schmidt wegen der katastrophalen Kommunikation der Bankprobleme zurückgetreten war. Doch Kemmer ist bereits seit Juni 2006 im Vorstand der BayernLB und verantwortete das Ressort Finanzen. Zuvor war er bei der HypoVereinsbank tätig, zuletzt als Risikovorstand. "Für geschäftspolitische Entscheidungen ist das Vorstandsgremium gesamtverantwortlich", verteidigt Kemmer seinen Vorgänger im April.
Damals betont er auch, dass er sich für eine offene, transparente Kommunikationspolitik einsetzen will. Von Politikern und Sparkassenvertretern muss er sich nun aber vorhalten lassen, dass er die gigantischen neuen Löcher bei der BayernLB in den vergangenen Wochen verschwiegen hat.
Kemmer stehen harte Zeiten bevor. Er muss die Bank neu ausrichten, Mitarbeiter motivieren - und auch ganz persönlich Einschnitte in Kauf nehmen. Als Gegenleistung für die Rettung der Bank verlangt die Bundesregierung, dass die Managergehälter auf maximal 500.000 Euro gekürzt werden. Kemmer dürfte derzeit gut das Dreifache verdienen. Allerdings wirkt er nicht wie einer, der nicht auch mit 500.000 Euro gut zurechtkommen würde.
  • Aus der FTD vom 22.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote