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Merken   Drucken   10.08.2008, 19:58 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Michail Saakaschwili - Unruhestifter im Abseits

Georgiens Präsident Michail Saakaschwili hat Russland seit Jahren immer wieder bewusst provoziert - und dabei auf die Hilfe des Westens vertraut. Nach dem Militärschlag gegen Südossetien zeigt sich: Georgien ist machtlos. von Fidelius Schmid
Im Winter 2006 gab sich Georgiens Präsident Michail Saakaschwili  beim Abendessen mit EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner noch strotzend vor Selbstvertrauen. Der Konflikt mit der abtrünnigen Region Südossetien sei in den Griff zu bekommen, sagte er. Und Zchinwali, die Hauptstadt der Region, sei doch in Wahrheit "ein Kaff mit ein paar Tausend Einwohnern".
Genau dieses Kaff aber hat dem einstigen Wunderkind der georgischen Politik jetzt seine bislang schlimmste Niederlage eingebracht. Saakaschwilis Militärschlag gegen südossetische Abtrünnige Ende der vergangenen Woche beantwortete Südossetiens selbst ernannte Schutzmacht Russland mit mehreren Militärschlägen. Moskau bombardierte Ziele in ganz Georgien, setzte Raketen ein und entsandte 10.000 Soldaten - auch in die georgische Provinz Abchasien. Saakaschwilis Truppen mussten Zchinwali räumen, und dem Präsidenten blieb nichts anderes übrig, als einen einseitigen Waffenstillstand zu verkünden.
Das Eingeständnis markiert den Tiefpunkt der bisher steil verlaufenen Karriere von "Mischa", wie ihn Freunde nennen. Der heute 40-Jährige studiert zunächst Jura in Kiew, Straßburg und New York. 1995 wird er ins Parlament Georgiens gewählt, schließlich zum Minister ernannt. Nach einem Streit über ein Korruptionsgesetz bricht er mit dem damaligen Präsidenten Eduard Schewardnadse - und startet die legendäre Rosenrevolution in Georgien. 2004 wird er mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten gewählt. Zu diesem Zeitpunkt ist Saakaschwili gerade einmal 37 Jahre alt.
Georgiens Präsident Michail Saakaschwili   Georgiens Präsident Michail Saakaschwili
Permanente Sticheleien gegen Russland
Außenpolitisch orientiert er die ehemalige Sowjetrepublik komplett nach Westen. Er wirbt für einen Beitritt seines Landes zur EU und zur Nato. 2000 seiner Soldaten schickt er an der Seite Washingtons in den Irakkrieg, lässt keine Gelegenheit aus, gegen Russland zu sticheln. Fast folgerichtig kommt es zu Zwischenfällen mit russischen Friedenstruppen in den abtrünnigen Provinzen Abchasien und Südossetien.
Kratzer erleidet sein Image, als er im vergangenen Jahr Polizeikräfte hart gegen Oppositionelle vorgehen lässt. Die Regierungskritiker hatten gegen seinen zunehmend autoritären Führungsstil protestiert. Er lässt zudem den Ausnahmezustand ausrufen und schließt oppositionsnahe Fernsehsender. Als er nach seiner Wiederwahl im Frühjahr merkt, dass es wohl nichts wird mit einem schnellen Beitritt zur Nato, brandmarkt er die Widerstände in Brüssel als "Appeasement" gegenüber Moskau. Paris und Berlin reagieren befremdet.
Nun, nach der fehlgeschlagenen Offensive in Südossetien, fragen sich viele Diplomaten, warum er das getan hat. Die Antwort darauf mag für ihn zweitrangig sein. Denn am Ende steht nach einer Auseinandersetzung mit Hunderten zivilen Toten eine bittere Erkenntnis: Gegen Moskaus Militär ist er chancenlos und allein.
  • Aus der FTD vom 11.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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