Nicolas Sarkozy muss als EU-Präsident nach dem Irland-Debakel den Plan C organisieren
Die Abfuhr der Iren, sie macht Sarkozys Kalkül nun weitgehend zunichte. Dessen Vorfreude ist einerseits ein Kennzeichnen seines Triebs, im Mittelpunkt stehen zu wollen, anderseits sollte die EU-Präsidentschaft im Machtplan des Staatschefs zwei wichtige Funktionen erfüllen. Sie steht innenpolitisch im Zentrum der "Opération réconquête": Sarkozy bemüht sich mit allen Mitteln, das Vertrauen der Bevölkerung in seine Führung nach dem verkorksten Auftakt zurückzugewinnen.
Zum anderen geht es ihm darum, französische wirtschaftspolitische und geostrategische Interessen zu stärken, indem er sie - je nach Sichtweise - als europäische definiert oder mit den Interessen der Nachbarländer in Einklang bringt. So hat Sarkozy als Themen seiner EU-Führung Energie- und Verteidigungspolitik festgelegt. Im besten Fall hätte Sarkozy das Jahr beendet als derjenige, der Europa wieder in die Spur gebracht hätte, der nach dem Nein der Franzosen zur EU-Verfassung 2005 sein Land und Europa wieder versöhnt hat.
Nun muss Sarkozy beweisen, dass er zum Krisenmanager taugt. Fürs Erste sieht es nicht danach aus, so spricht der Präsident bei einer Pressekonferenz am Sonntag mit dem US-Kollegen George W. Bush indigniert von einem "irischen Zwischenfall". "Europa ist dazu da, die Menschen zu schützen", sagt er. "Wir müssen jetzt darauf reagieren, dass Europa für viele Europäer etwas ist, das beunruhigt." Das war nicht mehr als eine Formel aus seinem Wahlkampf. Am Montag ist er bei der Regierung in Prag, wo überlegt wird, die Ratifizierung des Lissabonner Vertrags ganz abzublasen. Nicolas Sarkozy wird sich dort mehr einfallen lassen müssen.