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Merken   Drucken   01.10.2008, 20:56 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Nicolas Sarkozy - Meister der Symbol-Politik

Schon in der Russlandkrise war Nicolas Sarkozy sofort zur Stelle, demonstrierte Führungsstärke. Dasselbe Bild nun bei der Finanzkrise. Frankreichs Präsident ruft die Mächtigen zusammen. Überzeugende Lösungsvorschläge kann er nicht bieten. von Lutz Meier
Wie oft hat er es den Seinen eingeschärft: Wenn die Sorgen der Menschen anschwellen, dann muss die politische Führung eingreifen. Nicolas Sarkozy  Credo ist also denkbar einfach: an vorderster Front stehen, besänftigen, zeigen, dass die Regierung regiert, nicht die dunklen Kräfte von Globalisierung und Weltfinanz.
Wie das aussieht, konnten Frankreichs TV-Zuschauer am Dienstag in den Hauptnachrichten bestaunen. Am Morgen hatte ihr Präsident kurzfristig die Chefs der großen Banken und Finanzdienstleister in den Élysée-Palast zitiert. "Nicolas Sarkozy, Spezialist in Krisenbeherrschung", begann atemlos der Chefsprecher des öffentlichen Fernsehens. "Nicolas Sarkozy hat sich heute im Kampf gegen die Krise in die vorderste Front begeben", meldete seine Kollegin vom Privatsender TF1 gleichzeitig.
Herausgekommen war bei dem Termin nichts, was kann auch die Politik so rasch schon tun? Aber Sarkozy hat wieder einmal demonstriert, wie er regiert, wie man Frankreich regiert: mit symbolischen Gesten. Der Herrscher zeigt sich, der Herrscher hat die Fäden in der Hand, lässt die Generalstände antanzen, die Lage kann so schlimm nicht sein. Dieses Spiel beherrscht Frankreichs Präsident aus dem Effeff.
Der französische Präsident Nicolas Sarkozy   Der französische Präsident Nicolas Sarkozy
Ein ähnliches Politikverständnis steckt auch hinter dem Gipfel der Regierungschefs der G8-Staaten, den Sarkozy nun für Samstag in Paris organisiert: Wichtig ist nicht das Ergebnis, wichtig ist die Demonstration. Symbolische Politik gibt es nicht nur in Paris. Aber hier entfaltet Herrschaft besonders oft ihre Wirkung im Auftreten, nicht im Handeln. Nicolas Sarkozy ist darin ein Meister. Er hat immer wieder darüber gesprochen, was er für die wichtigste Aufgabe der Politik, was er für das Ziel seiner Präsidentschaft hält: "Beruhigen", hat er gesagt. Dem aufgewühlten Volk zeigen, dass er die Lage beherrscht.
Schon als vergangenes Jahr die Krise aufzog, hat der Präsident, damals frisch gewählt, versucht, einen Krisengipfel zu initiieren. Er schrieb einen Brief an Angela Merkel, damals Vorsitzende der G8. Ein eiliges Sondertreffen müsse her. Merkel ließ ihn abblitzen. Man wisse nicht, was das bringen solle, hieß es in Berlin. Erst müssten mal Vorschläge her.
Die Rolle des Organisators gefällt dem Pariser Präsidenten, und er füllt sie auch aus, das hat er beim Mittelmeergipfel im Juli gezeigt. Aber was will er gegen die Finanzkrise tun? Vergangene Woche hat er eine lange Rede gehalten, zum x-ten Mal über die "moralische Entgleisung des Kapitalismus" räsoniert, die schaffenden Unternehmer (gut) und die Finanzspekulanten (böse) gegeneinander ausgespielt, mehr Regulierung verlangt, wie alle zurzeit.
Egal, was die Staatschefs am Samstag beschließen, Sarkozy hat das Talent, es als großen Schritt zur Lösung der Krise zu präsentieren, seinen Anteil herauszustreichen. Wenn die Welt taumelt, er hat die Dinge in der Hand, das ist die Botschaft. Mal sehen, wie lange es ihm gelingt, damit Erfolg zu haben.
  • Aus der FTD vom 02.10.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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