Der französische Präsident Nicolas Sarkozy
Ein ähnliches Politikverständnis steckt auch hinter dem Gipfel der Regierungschefs der G8-Staaten, den Sarkozy nun für Samstag in Paris organisiert: Wichtig ist nicht das Ergebnis, wichtig ist die Demonstration. Symbolische Politik gibt es nicht nur in Paris. Aber hier entfaltet Herrschaft besonders oft ihre Wirkung im Auftreten, nicht im Handeln. Nicolas Sarkozy ist darin ein Meister. Er hat immer wieder darüber gesprochen, was er für die wichtigste Aufgabe der Politik, was er für das Ziel seiner Präsidentschaft hält: "Beruhigen", hat er gesagt. Dem aufgewühlten Volk zeigen, dass er die Lage beherrscht.
Schon als vergangenes Jahr die Krise aufzog, hat der Präsident, damals frisch gewählt, versucht, einen Krisengipfel zu initiieren. Er schrieb einen Brief an Angela Merkel, damals Vorsitzende der G8. Ein eiliges Sondertreffen müsse her. Merkel ließ ihn abblitzen. Man wisse nicht, was das bringen solle, hieß es in Berlin. Erst müssten mal Vorschläge her.
Die Rolle des Organisators gefällt dem Pariser Präsidenten, und er füllt sie auch aus, das hat er beim Mittelmeergipfel im Juli gezeigt. Aber was will er gegen die Finanzkrise tun? Vergangene Woche hat er eine lange Rede gehalten, zum x-ten Mal über die "moralische Entgleisung des Kapitalismus" räsoniert, die schaffenden Unternehmer (gut) und die Finanzspekulanten (böse) gegeneinander ausgespielt, mehr Regulierung verlangt, wie alle zurzeit.
Egal, was die Staatschefs am Samstag beschließen, Sarkozy hat das Talent, es als großen Schritt zur Lösung der Krise zu präsentieren, seinen Anteil herauszustreichen. Wenn die Welt taumelt, er hat die Dinge in der Hand, das ist die Botschaft. Mal sehen, wie lange es ihm gelingt, damit Erfolg zu haben.