Peter Orszag ist bereits mit 40 Jahren Haushaltsdirektor unter Obama. Schon wird der Ökonom bei TV-Auftritten Finanzminister Geithner vorgezogen. Im Streit um das US-Haushaltsdefizit weiß er den Präsidenten geschickt zu verteidigen. von Sebastian Bräuer
Die Kritik ist erst wenige Stunden alt, da wehrt sich Peter Orszag bereits mit der ihm eigenen Präzision. Der Auslöser: US-Präsident Barack Obama hat eine Prognose zum Haushaltsdefizit auf den 7. August verschoben und damit in die Parlamentsferien. Schon wittert die Opposition einen taktischen Schachzug, sie will die Zahlen noch im Juli sehen.
Wie reagiert Haushaltsdirektor Orszag? Er veröffentlicht flugs eine Erklärung auf der Website des Weißen Hauses und weist auf die Tage hin, an denen die letzten Präsidenten im Jahr ihres Amtsantritts die Prognosen veröffentlichten: George W. Bush am 22. August, Bill Clinton am 1. September. Orszag verlinkt sogar Presseartikel von damals. "Jeder, der über taktisches Timing spekuliert, ignoriert die Geschichte."
US-Haushaltsdirektor Peter Orszag
In normalen Zeiten hält sich der Haushaltsdirektor dezent im Hintergrund, doch mit Orszag ändert sich das radikal. Der promovierte Ökonom ist mit 40 Jahren der Jüngste in Obamas-Führungsriege, und der Präsident hält große Stücke auf ihn. Seit offensichtlich ist, dass Fernsehauftritte des wenig telegenen Finanzministers Timothy Geithner ein Risiko sein können, ist es immer häufiger Orszag, der dem Volk die Wirtschaftspolitik erläutern darf.
Es ist der vorläufige Höhepunkt einer rasanten Karriere. Nach dem Studium in Princeton und an der London School of Ecnonomics schafft Orszag als Berater der Clinton-Regierung umgehend den Sprung nach Washington. Angeblich wurde der damalige Finanzminister Robert Rubin auf ihn aufmerksam, weil Orszag ihn eines Rechenfehlers überführte. Sein Vater Steven Orszag, ein Mathematikprofessor in Yale, hatte ihn stets angetrieben, hart an sich zu arbeiten. Der Druck hält bis heute an: Neulich habe ihm sein Vater vorgehalten, in seinem Alter bereits Professor gewesen zu sein, sagte Orszag der "New York Times". Seine beiden Brüder sind ebenfalls Ökonomen. Im familieninternen Konkurrenzkampf stacheln sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen an, angeblich vergleichen sie bis heute ihre Noten aus der Zeit in Princeton. Peter Orszag kommt in dem Vergleich nicht schlecht weg, er schloss "summa cum laude" ab.
Auch bei der Gesundheitsreform sind nun Orszags analytische Fähigkeiten sehr gefragt. Der ehemalige Schützling der Starökonomen Alan Blinder und Joseph Stiglitz muss Kosten kalkulieren, die kaum abschätzbar sind. Niemand weiß, ob neue Krankheiten auftauchen und wie die Amerikaner auf eine radikale Reform reagieren - doch Orszag hat es sich zum Ziel gemacht, die Gesundheitskosten zu reduzieren.
Der Umgang mit seiner eigenen Gesundheit ist indes fragwürdig. Zwar läuft er Marathon, doch dem steht ein ungewöhnlich hoher Kaffeekonsum gegenüber. Aber auch in diesem Fall hat sich Orszag mit einer fast unheimlichen Präzision abgesichert: Sein Arzt bestätigte ihm, dass er die genetischen Voraussetzungen mitbringe, viel Kaffee zu vertragen.
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