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Merken   Drucken   26.11.2008, 21:12 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Paul Volcker - Hüter alter Tugenden

Zentralbankchef, Staatssekretär und Finanzmarktregulierer: Paul Volcker hat 50 Jahre die US-Konjunkturpolitik beeinflusst. Nun soll der 81-Jährige den künftigen US-Präsidenten Ideen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise liefern. von Sabine Muscat
Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Barack Obama  bei allem Willen zum Wandel den Respekt vor Alter und Erfahrung nicht verloren hat, dann ist er jetzt endgültig erbracht. Der künftige US-Präsident hat am Mittwoch den 81 Jahre alten Paul Volcker  zum Vorsitzenden des neuen Wirtschaftsrats zur Stabilisierung der Finanzmärkte und Bekämpfung der Rezession gemacht.
Dem neuen Gremium gehört zudem der erst 39-jährige Austan Goolsbee von der Chicago Business School an. Goolsbee war zu Beginn des Wahlkampfs Obamas wichtigster Wirtschaftsberater.
Mit der Anwerbung von Volcker ist Obama ein großer Coup gelungen. Der zwei Meter große und trotz seines Alters kräftig gebaute Mann, neben dem Obama und Goolsbee bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Chicago wie zwei schlaksige Buben in der Pubertät aussahen, blickt auf mehr als ein halbes Jahrhundert US-Konjunkturpolitik zurück.
Paul Volcker blickt auf 50 Jahre Erfahrung in der Konjunkturpolitik ...   Paul Volcker blickt auf 50 Jahre Erfahrung in der Konjunkturpolitik zurück
Volcker wurde noch vor dem großen Börsencrash 1929 im Ostküstenstaat New Jersey geboren. Seine Karriere führte ihn von der Federal Reserve Bank in New York über die Chase Manhattan Bank bis ins US-Finanzministerium. Höhepunkt der Laufbahn: die Ernennung zum Zentralbankchef der USA im Jahr 1979 durch den damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter. Dessen Nachfolger Ronald Reagan hielt an Volcker fest. Freiwillig aus dem Spitzenamt schied der Mann aus New Jersey 1987.
Nun, nach einigen Jahren des Kürzertretens, wird Volcker, der neutrale Staatsdiener, zum politischen Aktivisten: "Nach 30 Jahren im Regierungsdienst unter fünf Präsidenten hatte ich gezögert, mich in Wahlkämpfen zu engagieren. Jetzt ist es Zeit, diese Zurückhaltung aufzugeben", sagte er, als er im Frühjahr zum Obama-Team stieß.
Volckers Diktion klang seither in Obamas Vorschlägen durch; bei Obamas viel beachteter Rede zur Regulierung der Finanzmärkte im März soll er ein wichtiger Stichwortgeber gewesen sein. Die Finanzmarktregulierung ist ein altes Anliegen von Volcker, der sich als Vorsitzender des International Accounting Standards Board bis 2005 für die internationale Angleichung der Rechnungslegungsvorschriften für Unternehmen einsetzte.
Bilderserie Bilderserie: Obama ernennt weitere Mitstreiter
Auch mit Rezessionen hat Volcker einige Erfahrung. Viele werfen ihm vor, dass er zu Beginn der 80er-Jahre selbst eine produziert habe, als er das Wachstum der Stabilisierung des Dollar und der Bekämpfung der Inflation unterordnete und deshalb eine restriktive Geldpolitik betrieb. Sein Nachfolger als Fed-Chef, Alan Greenspan, verfolgte in den 90er-Jahren den gegenteiligen Ansatz und kurbelte mit billigem Geld nicht nur die Wirtschaft an - sondern auch die Verschuldung. Die Rückkehr zu den Weisheiten des alten Volcker, der auch privat zu einem bescheidenen Lebensstil tendiert, signalisiert somit auch eine Abkehr von der Greenspan-Ära.
  • Aus der FTD vom 27.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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