Telekom-Chef René Obermann
Kontrollbesessen und ehrgeizig
Der 45-Jährige hat einen steilen Aufstieg hingelegt. 1998 beginnt der ausgebildete Industriekaufmann als Vertriebsgeschäftsführer bei
T-Mobile Deutschland. Bereits vier Jahre später ist er Chef von T-Mobile International und im
Telekom -Vorstand für Mobilfunk verantwortlich. Im November 2006 rückt er an die Konzernspitze auf.
In seinem Umfeld gilt der Manager als kontrollbesessen und extrem ehrgeizig. Privates gibt er ungern preis, auf öffentlichen Veranstaltungen agiert er souverän - leidenschaftlich wirkt er dabei nie. Zu umständlich sind Sätze, die er formuliert, zu nüchtern - Beamtendeutsch. "Ich finde Ihr Beispiel sehr betroffen machend", sagt er zu einer Callcenter-Mitarbeiterin, die so wenig verdient, dass sie staatliche Hilfe braucht, um zu überleben.
Dass das Ende seiner langjährigen Ehe und die neue Partnerschaft mit TV-Moderatorin Maybrit Illner tagelang Thema in Presse und Fernsehen war, dürfte für den gebürtigen Düsseldorfer ein Graus gewesen sein. Seine Art hat ihm unter den vielen Tausenden Mitarbeitern wohl wenig Freunde gemacht. Dafür kann er auf die Großinvestoren zählen. Die Aktionäre Bund und Investor
Blackstone haben sich demonstrativ hinter den Telekom-Chef gestellt. Analysten bemängeln hingegen eine fehlende Vision.
So ist auch der Aktienkurs seit seinem Amtsantritt um 19,6 Prozent gesunken. Obermann selber schwante wohl, dass die Streiks nicht das Ende der Turbulenzen gewesen sind. "Ich bin mir bewusst, dass ich auch über 2008 hinaus viel Standfestigkeit brauche, um durch diesen Sturm zu kommen, den Reformkurs fortzusetzen", sagte Obermann im Februar. An eine Spitzelaffäre dachte er dabei wohl nicht.