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Merken   Drucken   18.02.2009, 20:43 Schriftgröße: AAA

Kopf des Tages: Richard Allen Stanford - Ritter der Kokosnuss

Amerika hat einen neuen gigantischen Betrugsfall. Allen Stanford soll Anleger um 8 Mrd. $ erleichtert haben. Der Texaner ist auf der Flucht. Vermutet wird er im Inselstaat Antigua und Barbuda - seiner zweiten Heimat. von Sebastian Bräuer
Das selbstgefällige Grinsen macht die Antwort noch unerträglicher. "Ja, es macht Spaß, Milliardär zu sein", bekennt Richard Allen Stanford  im vergangenen Mai. Sein Gespräch mit dem Fernsehsender CNBC ist mehr eine Audienz als ein Interview. Stanford macht sich nicht die geringste Mühe, die Arroganz des Superreichen mit Selbstironie zu überspielen.
In der Tat, sein Job war harte Arbeit. Beträchtlich war etwa der Aufwand, den der Texaner betrieb, um Kongressabgeordnete zu umgarnen. Er ließ sie mit Privatjets, von denen er stolze sechs Exemplare besitzt, in die Karibik fliegen. Unter Palmen diskutierte er mit ihnen über die Wirtschaft.
Mehrere Politiker werden sich nun kritische Fragen anhören müssen, warum sie diesen Zirkus mitmachten. Oder warum sie fünfstellige Spenden von dem 58-Jährigen akzeptierten. Denn seit Dienstag ist Stanford verschwunden. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft ihm vor, ein Schneeballsystem von gigantischen Dimensionen kreiert zu haben. 8 Mrd. $ hat er über die Ausgabe von Einlagenzertifikaten eingesammelt - eine Anlageform, die als absolut krisenfest gilt. Aber nach Ansicht der Ermittler betrog Stanford seine Kunden systematisch. Er soll Bilanzen gefälscht, unangemessen hohe Erträge versprochen und die Existenz einer ernst zu nehmenden Buchprüfung vorgetäuscht haben. Die Ermittler haben am Dienstag die Firmenzentrale in Houston auf den Kopf gestellt und Dutzende Mitarbeiter vernommen. Doch der Chef fehlte.
Richard Allen Stanford   Richard Allen Stanford
Stanford betonte immer wieder, wie stolz er auf den Familienbetrieb sei. "Mein Großvater hat mich inspiriert, zu träumen", sagt er auf der Firmenwebsite. "Und er hat mir das Ziel vererbt, ein Geschäft aufzubauen, das keinem anderen gleicht." Vermutlich hatte Louis B. Stanford etwas anderes gemeint, als er seinem Enkel diesen Wunsch vermittelte.
Der Investor, dessen Vermögen auf 2,2 Mrd. $ geschätzt wird, soll sich angeblich im letzten Moment in den Karibikstaat Antigua und Barbuda abgesetzt haben, bevor die Fahnder zuschlugen. Stanford hat eine Schwäche für die Inselgruppe. Dort sitzt seine Stanford International Bank, die im Zentrum der SEC-Ermittlungen steht. Der ehemaligen Regierung des Staates verdankt er auch seinen Adelstitel "Sir". Lange vor der Auszeichnung bekam er die Staatsbürgerschaft des Landes übertragen, dessen Bruttoinlandsprodukt nur halb so groß ist wie sein privates Vermögen.
Aufsehen erregte Stanford auch mit seiner Leidenschaft fürs Kricket. Zuletzt hoffte der englische Verband auf eine Millionenspritze von Stanford, die "Sunday Times" feierte ihn während der Verhandlungen voreilig als "Retter Englands". Bei einer von ihm mit 20 Mio. $ gesponserten Turnierserie, die seine "Stanford Superstars" gewannen, verhielt er sich allerdings wenig ritterlich: Nachdem er auf der Tribüne allzu heftig mit Frauen und Freundinnen von englischen Spielern geflirtet hatte, musste sich der Sir entschuldigen.
Antigua drohen derweil noch drastischere Konsequenzen als Beziehungsdramen. Nach der Anklage gegen den berühmtesten Inselbürger setzte Premierminister Baldwin Spencer Neuwahlen an. Er hat Angst, dass Unruhen ausbrechen.
  • Aus der FTD vom 19.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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