Lehman-Brothers-Chef Richard Fuld
Im Jahr 1998, als Fuld bereits seit fünf Jahren Vorstandschef des Geldhauses ist, flammen Gerüchte über eine Insolvenz auf - ähnlich wie heute. Damals fällt der Kurs in vier Monaten um 63 Prozent. Dem Abgrund ins Auge blickend habe er gelernt, sich vor Problemen nicht zu verstecken, sondern die Initiative zu ergreifen, sagt Fuld später. Eine Eigenschaft, die heute überlebensnotwendig ist - diesmal sind die Kursverluste noch dramatischer.
Fuld kann bei seinen Kritikern mit seinen Kämpferqualitäten punkten. So war er einer der Ersten, die nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eine Rückkehr zur Normalität forderten und auch vorlebten. Lehman war von den Anschlägen in New York besonders dramatisch betroffen, weil ihr Hauptgebäude stark beschädigt wurde.
Im Umgang ist Fuld nicht immer einfach. Von gelegentlichen Wutausbrüchen wissen seine Mitarbeiter zu berichten. Dass er überhaupt an der Wall Street anheuerte, war einem Zerwürfnis geschuldet: Zunächst wollte Fuld Pilot bei der Air Force werden. Aus diesen Plänen wurde nichts, weil er sich zur Unzeit mit dem befehlshabenden Offizier angelegt hatte. Seine bisweilen rabiate Art zeigt sich auch außerhalb des Geschäfts. Vor Kurzem geriet Fuld am Rande eines Eishockeyspiels seines Sohnes mit einem anderen Vater zusammen. Der Streit endete mit einer Handgreiflichkeit - ein gefundenes Fressen für Fuld-Lästerer.
Die Lehman-Krise macht sich auch in Fulds Portemonnaie bemerkbar. Im Februar 2007 bekam der Milliardär Aktien im Wert von 186 Mio. $ als Bonus. Damals lag der Kurs noch bei 85 $ - inzwischen kostet ein Lehman-Titel weniger als 8 $.
Fuld ließ sich während der über Nacht einberufenen Telefonkonferenz nicht anmerken, wie sehr ihn die Krise zermürbt. Bis ein Analyst fragte, wie es ihm gehe. Es war nur eine Höflichkeitsfloskel, ein "good" oder "fine" wurde wie selbstverständlich erwartet. Doch Fuld schwieg. Eine Sekunde, zwei Sekunden. Dann stellte der Analyst seine inhaltliche Frage.